Posted in Finanzen / Bilanzen

Wie geht es mit dem Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS nun weiter?

Wie geht es mit dem Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS nun weiter? Posted on 13. Juli 2023

Seit dem 14. Juni 2023 wird der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS unter dem Zusatz „in Liquidation“ geführt. Die Kapitalverwaltungsgesellschaft IP Concept S.A. hat sich dazu entschieden, den Fonds zu liquidieren. Dies sorgt nach wie vor für reichlich Unruhe am KMU-Anleihemarkt und vor allem bei den Anlegern des Fonds. Wir haben bei dem Anlegervertreter Dr. Wolfgang Schirp, Schirp & Partner Rechtsanwälte mbB, nachgefragt, ob die Liquidation des Deutschen Mittelstandanleihen FONDS bereits begonnen hat, welche Maßnahmen er nun ergreifen möchte und welche Ziele er für die Anleger des Fonds konkret verfolgt.

Anleihen Finder: Hallo Herr Dr. Schirp, wie ist der aktuelle Stand beim Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS „in Liquidation“? Kennen Sie inzwischen die genauen Gründe für die geplante Liquidation des Fonds und wird diese bereits vollzogen?

Dr. Wolfgang Schirp: Nein, die konkreten Gründe sind nicht bekannt. Es werden lediglich auf die Artikel 9, 10 und 16 des Verwaltungsreglement verwiesen und in der Veröffentlichung mitgeteilt, dass die Liquidation „vor dem Hintergrund der Wahrung von Anlegerinteressen“ erfolgen soll. Das ist natürlich nur eine nichtssagende Leerformel ohne jeden wirklichen Inhalt. Wenn Sie sich die Textpassagen des Verwaltungsreglements im Prospekt durchlesen, dann stellen Sie fest, dass die Begründungsversuche der IP Concept für die Liquidation nicht plausibel sind. Es bestehen aus meiner Sicht erhebliche Zweifel daran, dass die Liquidation die Interessen der Anleger wahren wird. Ein Liquidator ist bereits vorgesehen, aber meines Wissens von der Luxemburger Aufsichtsbehörde noch nicht bestätigt worden. Insofern dürfte sich die geplante Liquidation des Fonds noch nicht in der Umsetzung befinden. Wir hoffen, in diesem Prozess mit unseren Argumenten noch gehört zu werden und einen anlegerschädigenden „fire sale“ verhindern zu können.

Anleihen Finder: Warum wäre Ihrer Meinung nach eine Fortführung des Fonds für die Anleger womöglich die bessere Variante?

„Die Eigentümer des Fonds sind die Anleger. Wir wollen, dass die Rechte der Anleger bestmöglich gewahrt werden und dass nicht ohne Not Werte vernichtet werden“

Dr. Wolfgang Schirp: Die Fortführung des Fonds würde nach meiner Meinung die Interessen der Anleger sehr viel besser wahren als die geplante Liquidation. Im Rahmen der Liquidation werden die im Fonds befindlichen Vermögensgegenstände sukzessive veräußert und auch das Risikomanagementverfahren ausgesetzt. Das könnte dazu führen, dass beim Verkauf der Wertpapiere Verluste in Kauf genommen werden, die mit geringer Mühe vermieden werden könnten. Hinzu kommt, dass auch die Kosten der Liquidation durch die Anleger zu tragen sind. Wie hoch die Kosten der Liquidation sein werden, ist aber völlig unklar. Dagegen schützt die Fortführung des Risikomanagements und die weitere Betreuung der Investments des Fonds die Interessen der Anleger. Die Verwaltungsgesellschaft hat in dem Prospekt gegenüber den Anlegern erklärt, bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben ehrlich, redlich, professionell und ausschließlich im Interesse der Anleger zu handeln. Sie muss ihre Verpflichtungen mit der Sorgfalt eines bezahlten Bevollmächtigten für die Eigentümer des Fonds erfüllen. Und die Eigentümer des Fonds sind die Anteilsbesitzer, die Anleger. Wir wollen, dass die Rechte der Anleger bestmöglich gewahrt werden und dass nicht ohne Not Werte vernichtet werden. Der jetzige Börsenkurs reflektiert nicht einmal ansatzweise den wirklichen inneren Wert des Fonds.

„Der jetzige Börsenkurs reflektiert nicht einmal ansatzweise den wirklichen inneren Wert des Fonds“

Anleihen Finder: Wie groß schätzen Sie denn die Chancen für eine Wiederaufnahme bzw. Fortsetzung des Fonds ein? Was müsste dafür überhaupt passieren?

Dr. Wolfgang Schirp: Wie groß die Chance für eine Weiterführung des Fonds ist, kann erst beurteilt werden, wenn der tatsächliche Grund für die geplante Liquidation bekannt ist. Hier müssen dringend Gespräche aufgenommen werden. Kontakt zur luxemburgischen Aufsicht wurde bereits hergestellt, wir hoffen, dort sehr zeitnah in einen qualitätsvollen Dialog hineinzukommen. Von der IP Concept, aber auch von der DZ Privatbank S.A. kommt jedenfalls bislang rein gar nichts. In der vergangenen Woche wurde der Jahresbericht zum Geschäftsjahr 2022 zum Fonds veröffentlicht. Auch darin finden sich keine konkreten Erläuterungen, die zur geplanten Liquidation des Fonds hätten führen können. Es fällt aber auf, dass die Securo Pro Lux Anleihe bzw. die Verius IHS I, die zur Schließung des Fonds geführt haben sollen, möglichweise als Grund für den Liquidationsbeschluss herangezogen wurden. Wenn dem so sein sollte, stellt sich die Frage, warum keine Lösung zur Bewertung der Anleihe gefunden wurde bzw. welche Maßnahmen durch die Verwaltungsgesellschaft unternommen wurden. Im Bericht wird dazu nichts erwähnt. Die Securo Pro Lux Anleihe ist zum Jahresende bereits fällig. Eine Side-Pocket Lösung wäre durchaus ein verfolgenswerter Lösungsansatz. Das haben wir in den vergangenen Jahren auch schon bei anderen Fonds gesehen.

Anleihen Finder: Sie vertreten nun bereits zahlreiche Anleger des Fonds. Wie viele Anleger sind es inzwischen und welche Vorteile hat es, wenn die Anleger „gebündelt“ auftreten? Wie können sich weitere Anleger anschließen?

Dr. Wolfgang Schirp: Wir vertreten sowohl private Anleger als auch Stiftungen, Vermögensverwalter, Family Offices, Banken und Versicherungen. Derzeit sind es ca. 250 „Köpfe“, vom Kleinanleger bis hin zu institutionellen Strukturen. Je mehr Anleger gebündelt über eine Anwaltskanzlei auftreten, desto besser können die Rechtsansprüche gegenüber der Verwaltungsgesellschaft, der Aufsichtsbehörde und dem Liquidator vorgetragen und vertreten werden. Schließlich geht es um einen Publikumsfonds, bei dem die Schutzinteressen der Anleger ganz besonders zu würdigen sind. Anleger haben die Möglichkeit, sich von uns vertreten zu lassen. Die Unterlagen zur Vertretung sind auf der Internetseite als PDF hinterlegt. Wir haben zudem ein Gebührenmodell erarbeitet, das sich von üblichen Entgeltlösungen anlegerfreundlich abhebt. Die Rückmeldungen der Anleger sind hierzu sehr positiv.

Anleihen Finder: Wie genau möchten Sie den Fonds-Anlegern nun helfen? Wo setzen Sie an? Geht es dabei um Entschädigungs-Fragen oder konkret um die Fortsetzung des Fonds?

„Vorrangiges Ziel ist es, die geplante Liquidation des Fonds zu stoppen“

Dr. Wolfgang Schirp: Es geht in erster Linie darum, die Eigentumsrechte der Anleger und den damit verbundenen Schutz zur Wahrung der Interessen der Anleger zu vertreten. Im ersten Schritt ist zu prüfen, welche Überlegungen der überraschenden Entscheidung zur Liquidation zugrunde liegen. Wir werden ein entsprechendes Auskunftsverlangen an die IP Concept richten. Wir werden auch die luxemburgische Aufsichtsbehörde CSSF über unsere Einwendungen gegen die Liquidationsentscheidung informieren und zum Einschreiten auffordern. Ein erster Kontakt zur Behörde ist bereits hergestellt worden. Wir werden uns außerdem mit dem vorgesehenen Liquidator aus der Kanzlei Deloitte, Herrn Martin Flaunet, in Verbindung setzen, ebenso auch mit der DZ Privatbank S.A., die dem Fonds als Verwahrstelle und in weiteren Funktionen verbunden ist. Vorrangiges Ziel ist es, die geplante Liquidation des Fonds zu stoppen. Sollte dies nicht gelingen, so behalten wir uns vor, namens unserer Mandanten Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Dies ist aber erst in zweiter Linie im Fokus, in erster Linie wollen wir Einfluss auf das schadensstiftende Geschehen selbst nehmen.

Anleihen Finder: Wie gehen Sie nun weiter vor? Welche Schritte stehen aktuell auf der Agenda und von welchen zeitlichen Ausmaßen gehen Sie dabei aus?

Dr. Wolfgang Schirp: Die Schreiben an die erwähnten Parteien befinden sich im Zustellungsprozess. Wie bereits erwähnt müssen schnellstmöglich Gespräche aufgenommen werden, um die Sachverhalte aufzuklären, die zur geplanten Liquidation geführt haben. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die geplante Liquidation zurückgenommen wird. Für die Fortführung des Fonds sind Detailfragen zu klären. Auch hier werden wir die Interessen der Anleger vertreten. Wir bitten um Verständnis, dass nähere Angaben zur Zeit nicht möglich sind, weil einige der laufenden Maßnahmen ein gewisses Maß an Diskretion brauchen. Bitte gehen Sie aber davon aus, dass hinter den Kulissen alles geschieht, um rechtmäßiges Handeln der Gegenseite sicherzustellen und die Rechte der Anleger zu sichern.

Anleihen Finder: Herr Dr. Schirp, besten Dank für die Auskunft.

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Anleihen Finder GmbH
Hinter Hahn 21
65611 Brechen
Telefon: +49 (6483) 9186647
Telefax: +49 (69) 719-16057
http://anleihen-finder.de

Ansprechpartner:
Timm Henecker
Anleihen Finder Redaktion
E-Mail: henecker@anleihen-finder.de
Für die oben stehende Pressemitteilung ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel