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Erreicht der Coro­na-Ein­bruch die Pro­jekt­rea­li­sie­rung?

Erreicht der Coro­na-Ein­bruch die Pro­jekt­rea­li­sie­rung? Posted on 4. September 2020

 

Die Bau- und Immo­bi­li­en­wirt­schaft ist trotz Coro­na-Kri­se bis­lang sta­bil geblie­ben. Die meis­ten Bau­vor­ha­ben konn­ten fort­ge­führt wer­den. Doch was ist die Bilanz zur „Halb­zeit 2020“ für Markt­teil­neh­mer und Pro­jek­te – und was bahnt sich in den nächs­ten Mona­ten an? Fest­steht: Vie­le Pro­jek­te konn­ten zuletzt auf­grund extrem lang­wie­ri­ger Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren nicht star­ten oder wur­den aus Vor­sicht um eini­ge Mona­te hin­aus­ge­scho­ben.

Min­des­tens 20 % ver­scho­be­ne Pro­jekt­ent­wick­lun­gen


Die größ­ten Pro­ble­me der Coro­na-Kri­se sind neben der ver­zö­ger­ten Bear­bei­tung von Bau­ge­neh­mi­gun­gen Lie­fer­eng­päs­se, teils zurück­ge­hal­te­ne Hono­rar­zah­lun­gen der öffent­li­chen Hand oder das Aus­blei­ben aus­län­di­scher Fach­kräf­te am Bau. Andre­as Schul­ten von bul­wi­en­ge­sa geht nach einer aktu­el­len Umfra­ge (Pro­jekt­ent­wick­ler­stu­die 2020) von min­des­tens 20 % ver­scho­be­nen Pro­jekt­ent­wick­lun­gen aus. Bestimm­te Pro­jekt­ar­ten, etwa in den Seg­men­ten Hotel oder Ein­zel­han­del, wür­den zudem der­zeit kaum „ange­fasst“. „Für klei­ne Pro­jekt­ent­wick­ler besteht unter Umstän­den die Gefahr, dass es durch Lücken in der Pipe­line zu Liqui­di­täts­eng­päs­sen kommt. Grö­ße­re Markt­play­er mit einer Viel­zahl von Pro­jek­ten kön­nen dies bes­ser abfan­gen“, so Schul­ten. Ein grund­sätz­li­cher Ein­bruch im Bereich der Pro­jekt­ent­wick­lung wird nicht erwar­tet, wenn­gleich das Neu­ge­schäft offen­bar rück­läu­fig ist. So gehen 58 % der befrag­ten Immo­bi­li­en-Unter­neh­men von einer ins­ge­samt abneh­men­den Neu­ge­schäfts­ent­wick­lung (+ 46,3 pp gegen­über Vor­quar­tal) aus. Im Vor­quar­tal hat­ten ähn­lich vie­le Teil­neh­mer (56 %) eine Sta­gna­ti­on gese­hen. Die­se Ein­schät­zung tei­len jetzt nur noch 25 %. Immer­hin rech­nen 16,7 % (- 15,3 pp) aktu­ell mit einem wach­sen­den Geschäft.

Archi­tek­tur und Inge­nieur­bü­ros sta­bi­li­siert

Auch bei Archi­tek­ten und Inge­nieu­ren hiel­ten sich die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se in Gren­zen, so zumin­dest das Ergeb­nis der letz­ten Kurz-Befra­gung von Bun­des­ar­chi­tek­ten- und Bun­des­in­ge­nieur­kam­mer im Juni 2020. Dem­nach sind exis­tenz­be­dro­hen­de Sze­na­ri­en inzwi­schen sel­ten. Ledig­lich 6 % der Kam­mer­mit­glie­der sind laut Befra­gung von aku­ten Liqui­di­täts­pro­ble­men betrof­fen, im April waren es noch 18 %. Die gro­ße Mehr­heit der Büro­in­ha­ber kann auch der­zeit Neu­auf­trä­ge abschlie­ßen (91 %): 43 % in glei­chem, 48 % in gerin­ge­rem Maße als üblich. (Kurz-Befra­gung BIngK)

Finan­zie­rungs­be­reit­schaft auf Tiefst­stand

Die Finan­zie­rungs­be­reit­schaft von Ban­ken und Inves­to­ren für neue Pro­jek­te ist laut bul­wi­en­ge­sa mas­siv zurück­ge­gan­gen, für die meis­ten eta­blier­ten Unter­neh­men hat dies aller­dings bis­lang kei­ne gra­vie­ren­den Fol­gen. Als lang­jäh­ri­ge Part­ner der ein­zel­nen Insti­tu­te wer­den ihnen wei­ter­hin Finan­zie­run­gen gewährt. Die Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen der Ban­ken sind aller­dings deut­lich enger gefasst, um die Risi­ken auf ein Mini­mum zu beschrän­ken. Das Spek­trum der Anfor­de­run­gen reicht von Cost-over­run-Garan­tien um 10 % über GU-Ver­trä­ge bis zu Mie­ten- und Zin­spuf­fern.

„Die vor Coro­na begon­ne­ne Rezes­si­on wird sich fort­set­zen“

Seit dem zwei­ten Quar­tal 2019 zeich­net sich laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt eine leich­te Schrump­fung der Wirt­schaft ab. Die­se Ent­wick­lung setz­te sich Anfang 2020 fort, bis es im März mit dem Coro­na-Lock­down zu einem mas­si­ven Ein­bruch kam. Der IWF geht für Deutsch­land in die­sem Jahr von einem Ein­bruch des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP) von 7,8 % aus. 2021 soll es aber erneut ein Wachs­tum von 5,4 % geben, 0,2 Pro­zent­punk­te mehr als erwar­tet. (Quel­le) Laut Ifo-Insti­tut gilt dies aber nur, wenn es zu kei­ner zwei­ten Coro­na-Wel­le kommt. Dann könn­te, so Dr. Flo­ri­an Neu­mann, Wis­sen­schaft­ler des Ifo-Insti­tuts, die­ser Erho­lungs­ef­fekt nicht ein­tre­ten. Hin­zu kom­me, dass die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung bereits vor Coro­na rück­läu­fig war. „Die vor Coro­na begon­ne­ne Rezes­si­on wird sich fort­set­zen“, betont Neu­mann. „Sie ist durch die Coro­na-Kri­se extrem ver­stärkt wor­den und wird sich auf jeden Falls wei­ter ver­schär­fen, unab­hän­gig davon, ob eine zwei­te Infek­ti­ons­wel­le auf­tritt oder nicht. Das heißt, es wird wei­ter­hin zu Pro­ble­men in den inter­na­tio­na­len Lie­fer­ket­ten und damit auch in Deutsch­land kom­men, da ande­re Staa­ten welt­weit noch mit der ers­ten Infek­ti­ons­wel­le zu kämp­fen haben.“ Eine Rück­kehr zum Niveau des Wirt­schafts­wachs­tums vor der Kri­se ist somit nicht zu erwar­ten.

Bau­wirt­schaft soll vom Bund geför­dert wer­den

Für die Bau- und Immo­bi­li­en­wirt­schaft, die zwar betrof­fen, aber ins­ge­samt sehr sta­bil geblie­ben ist, läu­tet die Coro­na-Epi­de­mie mög­li­cher­wei­se ein Ende des Booms ein. Gro­ße Ein­schnit­te sind vor­erst aller­dings nicht erkenn­bar. Laut einer aktu­el­len Pro­gno­se von bul­wi­en­ge­sa sinkt die deut­sche Wirt­schafts­leis­tung 2020 zwar um 5,8 %, die Woh­nungs- und Büro­märk­te reagier­ten dar­auf aber nur mit leich­ten Anpas­sun­gen. Wie und wann die Aus­wir­kun­gen der Rezes­si­on auch die Immo­bi­li­en­wirt­schaft tref­fen, wird sich zei­gen. Der Bund ist mit dem Gesetz­ent­wurf „zur Sicher­stel­lung ord­nungs­ge­mä­ßer Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren wäh­rend der COVID-19-Pan­de­mie“ um Scha­den­be­gren­zung bemüht. In der Exper­ten­an­hö­rung zum zwei­ten Nach­trags­haus­halt 2020 im Bun­des­tag am 29.6.2020 wur­de dar­über hin­aus betont, dass die Bau­wirt­schaft – unter ande­rem durch öffent­li­che Auf­trä­ge – beson­ders geför­dert wer­den müs­se, um einen der wich­tigs­ten, noch funk­tio­nie­ren­den Wirt­schafts­be­rei­che zu stär­ken. (Quel­le)

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