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„Es kann jeden treffen“

„Es kann jeden treffen“ Posted on 13. Februar 2018

Hemmschwellen überwinden, Kontakte knüpfen, schwierige Situationen meistern – Menschen mit psychischen Erkrankungen, die nicht am Arbeitsmarkt angebunden sind, fehlen oft diese wichtigen Erfahrungen für das Selbstwertgefühl. Seit mehreren Jahren fördert die Region Hannover zwei Beschäftigungsprojekte, die diesen Menschen ermöglichen, sich durch eine sinnvolle Betätigung  aus der sozialen Isolation zu befreien und eine eigene Tagesstruktur aufzubauen. 83 Frauen und Männer insgesamt haben bereits erfolgreich an den beiden Pilotprojekten teilgenommen. Jetzt sollen die niedrigschwelligen Arbeitsangebote ihren Pilotstatus verlassen und zur festen Einrichtung mit zunächst 60 Plätzen werden. Dafür plant die Region insgesamt rund 1,5 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre ein.

„Ob im Café, im Seniorenheim oder bei Kulturveranstaltungen: Sinnvolles Arbeiten hilft den Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung aktuell als nicht erwerbsfähig gelten, sich im geschützten Rahmen im ganz eigenen Tempo den Tag zu gestalten“, so Erwin Jordan, Dezernent für Soziale Infrastruktur der Region Hannover. „Hier geht es zum einen um gesellschaftliche Teilhabe für die Betroffenen, aber auch darum, das gesellschaftliche Verständnis für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zu stärken.“

Projektträger sind die AWO Region Hannover und beta89, der Verein für betreuendes Wohnen und Tagesstrukturierung psychisch Gesundender. Die AWO startete 2014 ihr Beschäftigungsangebot „AWO Zuverdienst“, beta89 rief 2015 die Maßnahme „Tagesstrukturierung durch Betätigung“ (beta-TaB) ins Leben. Insgesamt hat die Region Hannover die beiden Maßnahmen bisher mit rund 620.000 Euro gefördert. Kern der Projekte beider Organisationen sind die persönliche Betreuung, Begleitung in Krisenfällen und Unterstützung der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bei der Bewältigung der Anforderungen eines organisierten Arbeitsbetriebes.

Gudrun Ischebeit nimmt seit 2016 an der Maßnahme beta-TaB teil. Die 60-Jährige ist vor rund 15 Jahren aufgrund ihrer psychischen Erkrankung aus dem Berufsleben ausgeschieden. „Die Maßnahme verändert meine Krankheit zum Positiven, ich werde hier als gesunde Person behandelt“, beschreibt die gelernte Einzelhandelskauffrau, die lange Zeit bei I.G. von der Linde als Verkäuferin gearbeitet hat. Jetzt erledigt die Hannoveranerin zwölf Stunden in der Woche beim Versandhandel „Chocolat deluxe“ Büroarbeiten und den Paketversand. „Ich bin so froh, dass es dieses Projekt gibt, ich bekomme eine Menge wieder. Und es kann jeden treffen – ich wünsche mir, dass noch mehr Firmen Menschen wie mich beschäftigen!“

Wie die Beschäftigung aussieht und wo die Teilnehmenden eingesetzt werden, hängt ganz von individuellen Bedürfnissen und Problemlagen ab – das Angebot reicht von der Pflege von Grünanlagen bis zu Tätigkeiten in der Gastronomie oder Hauswirtschaft. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit kann bis zu drei Stunden betragen, die Erfahrungen der vergangenen Jahre hat aber gezeigt, dass viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer weniger als drei Stunden am Tag schaffen. „Das ist das Gute an den Projekten – alle machen nur das, was sie sich selbst zumuten können und wollen. Das stärkt die eigene Motivation. Und das ist es auch, was wir an Rückmeldungen der Teilnehmenden bekommen: Dass ihnen die Tätigkeiten dabei helfen, stolz auf sich zu sein und Zutrauen zu sich zu finden“, beschreibt Stefanie Hehle, Projektkoordinatorin von beta-TaB.

„Im Rahmen unseres Angebotes können die Teilnehmenden am Arbeitsleben in ganz normalen Betrieben teilhaben. Damit wurde in der Region Hannover eine Lücke geschlossen. Durch die Förderung ihrer arbeitsorientierten und sozialen Fähigkeiten, wird es ermöglicht, Menschen aus dem Kreislauf institutionalisierter Hilfsangebote herauszuführen. Mit ihrer wiedererlangten Stabilität gelang einigen Teilnehmenden sogar der Wechsel in andere Beschäftigungsformen oder der Auszug aus einer stationären Wohneinrichtung in eine eigene Wohnung!“, ergänzt Antje Hennecke, Projektinitiatorin von der AWO.

Am Dienstag, 13. Februar, hat der Ausschuss für Soziales, Wohnungswesen und Gesundheit für die Regelförderung durch die Region Hannover von insgesamt 1,5 Millionen bis zum Jahr 2021 Euro gestimmt. Abschließend entscheidet darüber die Regionsversammlung am 6. März. 

Gerne vermitteln wir Ihnen Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer für ein Gespräch. Sprechen Sie uns an.  

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