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Für Techniker und Ingenieure ist eine gute Vorbereitung auf afrikanische Länder wichtig

Für Techniker und Ingenieure ist eine gute Vorbereitung auf afrikanische Länder wichtig Posted on 10. August 2017

Deutsche Firmen sollen vermehrt in Afrika aktiv werden. Deshalb hat die Bundesregierung im ersten Halbjahr 2017 drei große Afrika-Initiativen vorgestellt. Kundri Böhmer-Bauer, interkulturelle Trainerin und Afrikaspezialistin bei Martin Wiesend & Partner – Die Kundendienst-Trainer, erklärt in einem Interview mit Service Today, warum und worauf Ingenieure und Techniker vorbereitet sein sollten, wenn sie in afrikanische Länder geschickt werden.

Service Today: Worum geht es in den neuen Afrika-Plänen und in welche Bereiche soll investiert werden?

Böhmer-Bauer: Um die Armut, eine der Hauptfluchtursachen, in afrikanischen Ländern einzudämmen, hat die Kanzlerin Afrika zur Chefsache gemacht. Lange wurde der Nachbarkontinent wirtschaftlich vernachlässigt. Das will man jetzt wettmachen mit dem „Marshallplan mit Afrika“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Hinzu kommen „Pro! Afrika“ des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und mit dem „G20 Compact with Africa“ des Bundesfinanzministeriums. Investiert werden soll in die Infrastruktur, die Automobilindustrie, Energie, Rohstoffe sowie die Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie. Ziel ist die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort, um Zukunftsperspektiven für junge Menschen zu kreieren.

Service Today: Wie genau soll das vor sich gehen?

Einen Weg für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften zeigt die VDMA-Initiative auf. Zusammen mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie mit staatlichen und privaten afrikanischen Ausbildungsorganisationen und Unternehmen entstehen z. B. in Kenia, Nigeria und Botswana Trainingszentren für technische Berufe, die sich an unser Modell der dualen Berufsausbildung anlehnen.  

Service Today: Ist also Afrika der neue Boom-Kontinent?

Böhmer-Bauer: Wir müssen nach Ländern unterscheiden. Durchschnittlich lag das Wirtschaftswachstum Afrikas im letzten Jahr bei 5,2 Prozent. Die 54 Länder Afrikas und ihre Regionen sind in Bezug auf die Wirtschaft ebenso unterschiedlich wie kulturell.

Service Today: Wie können bei so großer Verschiedenheit die Firmen ihre Mitarbeiter effektiv vorbereiten?

Böhmer-Bauer: In den Seminaren und Trainings von Martin Wiesend & Partner zeigen wir Unterschiede exemplarisch an Länderbeispielen auf. Also was ist im Norden, Westen, Osten und Süden von Afrika bei der Zusammenarbeit zu beachten. Auch Vorsichtsmaßregeln in Bezug auf die eigene Sicherheit gehören zu den Inhalten. Durch die große Schere zwischen Arm und Reich gibt es in vielen Ländern Kriminalität, wie Express Kidnapping, Einbrüche in Hotelzimmer, Diebstahl, KO-Tropfen, Carjacking oder die Möglichkeit politischer Unruhen. Es ist wichtig durchzusprechen, wie man sich im Fall des Falles verhält. Natürlich können wir auch spezielle Ländertrainings anbieten, z. B. für Botswana, wo ich erst vor kurzem mehrere Monate für ein EU-Projekt tätig war. 

Service Today: Können Sie uns unseren Lesern Tipps für die Sicherheit geben?

Böhmer-Bauer: Keinesfalls Taxis ohne Lizenz nehmen oder Taxis, in denen zwei Männer sitzen. Denn die Gefahr von Express Kidnapping ist hoch, z. B. in Tansania und Nigeria. Und wenn man das eigene (Miet-)Auto in Städten parkt, ist es ratsam, es von einem der Jungs, die ihre Dienste anbieten, gegen ein paar Münzen, die er natürlich erst am Schluss bekommt, bewachen zu lassen. Sonst ist hinterher mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kratzer im Lack oder ein Spiegel abgebrochen.

Service Today: Auf welche kulturellen Besonderheiten sollten Techniker gefasst sein?  

Böhmer-Bauer: Zu den Verhaltensweisen, die deutsche Männer irritieren, zählt die Vermeidung von Blickkontakt. Wenn einem in Nigeria ein lokaler Mitarbeiter nicht in die Augen schaut, ist das nicht unhöflich, sondern bedeutet Respekt. Auch der Körperkontakt kann unter Männern, z. B. in Südafrika aber auch im arabischen Norden, sehr viel näher sein, als es Deutschen lieb ist. Wichtig ist außerdem der hohe Stellenwert des Alters, weil Alter für Erfahrung steht. Deshalb werden die Ältesten in einem Raum oder bei einem Treffen zuerst begrüßt. Und einen Menge Stress lässt sich vermeiden, wenn die deutsche Projektleitung einkalkuliert, dass Zeit einen komplett anderen Stellenwert hat.

Service Today: Gibt es Fördermittel für Unternehmen, die in afrikanischen Ländern tätig werden möchten und wenn ja, wohin kann man sich wenden?

Ja, es gibt Fördertöpfe. Die Bundesregierung unterstützt im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) Unternehmen ‎beim Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern bei entwicklungspolitisch relevanten ‎Projekten. ‎Als Brücke in risikoreiche Märkte können Unternehmen ‎ Finanzierungsinstrumente und ‎Beratung für die verschiedenen Phasen des Auslandsgeschäfts der EZ nutzen. Als erste Anlaufstelle empfehle ich die IHKs, die wissen am besten Bescheid. Bei der IHK Chemnitz gibt es z. B. seit 4 Jahren einen Afrikatag, an dem man Kontakte knüpfen kann. Und in München bietet die IHK  den „EZ-Sprechtag“ an, bei der ein EZ-Scout lokale Unternehmen berät.‎

Service Today: Sie sehen das neue deutsche Engagement in Afrika also positiv?

Auf jeden Fall! In den afrikanischen Ländern warten wissenshungrige, aufgeschlossene junge Menschen sehnsüchtig auf Chancen, für sich, ihre Großfamilien und ihre Länder eine bessere Zukunft zu schaffen. Afrikanische Politiker und Unternehmer schätzen deutsche Qualität, deutsches Know-how und natürlich deutsche Techniker. Nicht zuletzt, weil ein großer Teil der Brücken, Eisenbahnstrecken und Häuser, die während der deutschen Kolonialzeit in Ländern wie Togo, Kamerun oder Tansania gebaut wurden, noch stehen. Selbst die M.S. Liemba, das Schiff hieß ursprünglich Graf Götzen und stammt aus der Meyer Werft in Papenburg, zieht noch nach 103 Jahren als größtes Schiff auf dem Tanganjika-See ihre Kreise.

Service Today: Danke für das Gespräch.

Zur Person:

Kundri Böhmer-Bauer ist promovierte Ethnologin und führt als interkulturelle Trainerin  für Martin Wiesend & Partner – Die Kundendienst-Trainer interkulturelle Trainings für Techniker durch, die in Krisenregionen unterwegs sind. Zudem bietet sie Afrikaseminare an – auf Wunsch mit verschiedenen geographischen Schwerpunkten. Für Ausbildungsleiter und Ausbildungsleiterinnen sowie für Teams können interkulturelle Sensibilisierungstrainings gebucht werden.  Sie ist u. a. als Trainerin für Bundeswehrsoldaten tätig.

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