Befragt wurden die Zentralbanken zwischen dem 5. Februar und dem 19. Mai 2026. Nach Angaben des World Gold Council kam der größte Teil der Antworten nach Beginn des Konflikts im Nahen Osten. Die Umfrage erscheint in diesem Format seit neun Jahren.
Mit 76 Antworten erreichte die Notenbank-Umfrage 2026 einen Teilnahmerekord
Vier Ergebnisse der Umfrage 2026 zeigen, wie Reservemanager das Gold in ihren Bilanzen sehen:
- 89 Prozent erwarten, dass die Goldreserven der Notenbanken weltweit in den nächsten zwölf Monaten steigen
- 45 Prozent rechnen damit, dass ihre eigene Institution Gold zukauft, nach 43 Prozent im Vorjahr
- 84 Prozent erwarten in fünf Jahren einen höheren Goldanteil an den gesamten Reserven, nach 76 Prozent im Vorjahr
- 74 Prozent gehen davon aus, dass der Anteil des US-Dollars an den Reserven in fünf Jahren niedriger sein wird
Nur 1 Prozent der Befragten erwartet laut World Gold Council, dass die eigenen Goldbestände sinken. Die Mehrheit der übrigen Notenbanken plant keine Veränderung. Als Gründe für das Halten von Gold nennen die Befragten die Wertentwicklung in Krisenzeiten, die Streuung des Portfolios und den Schutz vor Inflation.
Wie Zentralbanken neue Goldkäufe finanzieren wollen
In der Umfrage 2026 fragte der World Gold Council auch, woher das Geld für neue Käufe kommen soll. Laut der Umfrage nannte die Hälfte der Befragten ein inländisches Ankaufprogramm in Landeswährung. 38 Prozent wollen dafür vorhandene Reservewerte verkaufen. Bei gut einem Drittel der Notenbanken kommt Gold damit nicht zusätzlich in die Bilanz, sondern ersetzt andere Reserveanlagen.
Für die Zusammensetzung der Reserven insgesamt rechnen die Befragten laut World Gold Council mit Verschiebungen. Den Anteil von Euro und Renminbi erwarten sie in fünf Jahren unverändert, den des Goldes höher und den des US-Dollars niedriger.
Wo die Notenbanken ihr Gold lagern und was sich dabei verschiebt
Die Bank of England bleibt laut der Umfrage mit 57 Prozent der meistgenannte Lagerort. Auf Platz zwei folgt die Lagerung im eigenen Land mit 49 Prozent, danach die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit 16 Prozent. Die Schweizerische Nationalbank nannten nur noch 6 Prozent, nach 12 Prozent im Jahr 2025.
In den zwölf Monaten vor der Befragung haben laut World Gold Council 9 Prozent der Zentralbanken ihre Lagerung im Inland ausgebaut. Weitere 10 Prozent haben ihre Lagerorte im Ausland gestreut; ein Jahr zuvor waren es 5 und 2 Prozent. Wie eine Notenbank ihr Gold auf mehrere Finanzplätze verteilt, erläutert das Fachportal am Beispiel der Lagerorte des deutschen Goldes in Frankfurt, New York und London.
Warum die Tschechische Nationalbank bis Ende 2028 auf 100 Tonnen kommen will
Ein Beispiel für den Aufbau liefert die Tschechische Nationalbank. Nach eigenen Angaben hielt sie Ende 2019 nur 8 Tonnen Gold, den niedrigsten Stand ihrer Geschichte, und Ende 2022 rund 12 Tonnen. Seit 2023 kauft sie regelmäßig zu; Ende August 2026 lagen laut der Notenbank 85,8 Tonnen in ihren Devisenreserven. Bis Ende 2028 sollen es 100 Tonnen sein, so viel wie nie zuvor.
Die Notenbank begründet das Ziel mit ihren Finanzergebnissen. Analysen hätten gezeigt, dass rund 100 Tonnen Gold die Schwankungen ihres Ergebnisses verringern, weil der Goldpreis nur gering mit den Preisen anderer Anlagen zusammenhängt.
Welche Signale Privatanleger aus den Käufen der Notenbanken lesen können
„Wenn Zentralbanken Gold kaufen, tun sie das über Jahre und nicht wegen einer Schlagzeile. Für Privatanleger ist das kein Kaufsignal für die nächste Woche, sondern ein Hinweis darauf, wie Profis Reserven streuen. Sie denken in festen Anteilen und langen Zeiträumen, nicht in Kursausschlägen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Der World Gold Council führt die Umfrage jährlich durch; die zehnte Ausgabe dürfte im Frühsommer 2027 erscheinen. Die Tschechische Nationalbank weist ihre Goldbestände fortlaufend aus, sodass sich bis Ende 2026 ablesen lässt, ob das Kauftempo von rechnerisch rund 20 Tonnen im Jahr seit Ende 2022 hält. Für Privatanleger bleibt die Frage nach Anteil, Lagerung und Kosten wichtiger als der Blick auf einzelne Monatszahlen.
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