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Der Faktor Zeit: Warum Pforzheimer Studierende am Auto hängen

Der Faktor Zeit: Warum Pforzheimer Studierende am Auto hängen Posted on 8. Oktober 2026

Warum steigen Studierende in Pforzheim nicht auf den Bus um, obwohl die Hochschule direkt angebunden ist? Die Studie „Urban Student Mobility in Pforzheim“ von Studierenden der Hochschule Pforzheim liefert eine plausible Erklärung: der massive Zeitverlust. Auf Basis von über 1.000 anonymisierten Wohnadressen und automatisierten Reisezeit-Abfragen zeigt die Untersuchung, dass Busfahrten im Schnitt mehr als dreimal so lange dauern wie die vergleichbare Autofahrt – ein zentraler Befund für die Verkehrswende der Goldstadt.

Im Rahmen des Moduls „Ethik & Nachhaltigkeit“ werteten Maximilian Motz, Daniel Landes und Yusrea Valiyakath die Wohnadressen von 1067 Studierenden aus und berechneten für jede Adresse die Reisezeit zur Hochschule – einmal mit dem Auto und einmal mit dem Bus. Das Ergebnis zeigte eindrucksvoll: Während eine Autofahrt im Durchschnitt 8,7 Minuten dauert, benötigt der Bus 27,7 Minuten für eine vergleichbare Strecke. In Einzelfällen lag der Unterschied bei bis zu 48 Minuten. Eine Zählung von 487 Autokennzeichen auf den Hochschulparkplätzen bestätigte das Bild: Rund 40 Prozent der geparkten Fahrzeuge hatten ein Pforzheimer Kennzeichen, stammten also mutmaßlich von Studierenden, die in Pforzheim und der Region wohnten – und damit theoretisch direkten Busanschluss zur Hochschule hätten.

Mithilfe einer geografischen „Heatmap“ identifizierten die Studierenden strukturelle Ursachen für die langen Fahrzeiten. Die Flüsse Enz, Nagold und Würm teilen Pforzheim in vier Zonen, zwischen denen der Busverkehr meist über zentrale Knotenpunkte wie den Leopoldplatz umgeleitet wird. Besonders betroffen sind Stadtteile wie Südweststadt, Büchenbronn, Dillweißenstein sowie Huchenfeld und Würm: Hier dauern Busfahrten teils 40 bis über 60 Minuten, weil direkte Verbindungen fehlen und Umstiege in der Innenstadt nötig sind.

Die Ergebnisse fügen sich in die Herausforderungen ein, denen sich die Stadt Pforzheim mit ihrem Integrierten Mobilitätsentwicklungsplan (IMEP) stellt. Dieser sieht unter anderem eine Reduktion der verkehrsbedingten CO₂-Emissionen um 40 Prozent bis 2035 sowie eine Steigerung des Fuß- und Radverkehrsanteils von derzeit 28 auf 45 Prozent vor.

Was Pforzheim von Utrecht und Oslo lernen kann: Dort wurden ehemalige Hauptverkehrsstraßen zu Grün- und Wasserflächen zurückgebaut, in Oslo reduzieren autofreie Zonen und ein konsequenter Radwegeausbau den Innenstadtverkehr spürbar. Auch der Ausbau von Straßenbahnnetzen – wie ihn Verkehrsforscher der TU Berlin für Städte dieser Größenordnung empfehlen – wird als mögliche Option für Pforzheim diskutiert, auch wenn hierzu nach Einschätzung der Autor*innen weiterer Forschungsbedarf besteht.

"Unsere Daten liefern keinen Aufschluss zu individuellen Verhalten der Studenten, identifizieren jedoch beim Zeitfaktor einen erheblichen Mangel, der erklären könnte, warum trotz Busanbindung auf das Auto zurückgegriffen wird“, fasst Co-Autor Maximilian Motz zusammen.

Die Studierenden erhielten für Ihre gemeinsame Arbeit den Förderpreis des kommunalen Eigenbetriebs „WSP – Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim“.

Über Hochschule Pforzheim

Die Hochschule Pforzheim mit ihren drei Fakultäten – Gestaltung, Technik sowie Wirtschaft und Recht – genießt einen erstklassigen Ruf. Die Fakultäten verbinden Kreativität mit betriebswirtschaftlicher Ausbildung und technischer Präzision. Diese Kombination macht die Hochschule auch zu einem attraktiven Wissenschafts- und Forschungspartner für die regionale und überregionale Wirtschaft. Mit rund 6000 Studierenden ist Pforzheim eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg.

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