Wie kann sich in Zeiten des demographischen Wandels und einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage eine hochwertige überbetriebliche Ausbildung in den handwerklichen Bildungshäusern aufrechterhalten werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Tagung. Neben praktischen Einblicken in die Lehrwerkstätten der Gewerke „Zahntechnik“, „Land- und Baumaschinentechnik“ und „Sanitär-Heizung-Klima“ informierten sich die Ehrenamtsträger über Veränderungen in der handwerklichen Ausbildung und die Modernisierung der Bildungsinfrastruktur. Am Beispiel der Handwerkskammer Freiburg wurde deutlich, dass neue Ansätze gefragt sind.
„Wir können die Bildungsstruktur von heute nicht dauerhaft mit den Voraussetzungen der 1980er Jahre betreiben“, so Annette Rebmann-Schmelzer, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Freiburg. „Weniger Teilnehmer, nicht ausreichend ausgelastete Werkstätten, die Gefahr, staatliche Förderfähigkeit zu verlieren sowie erheblicher Investitionsbedarf in den Gebäuden zwingen uns dazu, unsere Strukturen neu zu ordnen.“ Mit der Maxime „Konzentration und Kooperation“ sei man auf einem erfolgreichen Weg, die Bildungsinfrastruktur der Kammer zukunftsfähig aufzustellen.
Dieser Prozess stehe auch in anderen Kammerbezirken an, denn der demografische Wandel führe zu deutlich sinkenden Ausbildungszahlen. Gleichzeitig bestehe an den Bildungsstandorten erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.
Neben rund 20 ehrenamtlichen Vollversammlungsmitgliedern der Arbeitnehmerseite nahmen auch Jürgen Höfflin, Leiter der Abteilung Handwerkspolitik des DGB Südbaden, und Silvia Grigun, Leiterin des Handwerkssekretariat des Bundesvorstandes vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), an der Tagung teil. Die aus Berlin angereiste Gewerkschafterin lobte das Veranstaltungsformat: „Es macht Sinn, dass sich die Kolleginnen und Kollegen, welche im Rahmen der handwerklichen Selbstverwaltung über die Zukunft der beruflichen Bildung entscheiden, sich informieren und austauschen.“
Konzentration und Kooperation sind hier auch für Grigun alternativlos: „Die Ausbildungen werden anspruchsvoller, es steckt immer mehr Technik drin. Perspektivisch kann nicht jede Kammer für jedes Gewerk die passende Ausstattung zur Verfügung stellen.“ Die Bündelung von Kompetenzen in Kombination mit azubifreundlichen Unterbringungsangeboten und Örtlichkeiten stelle eine zentrale Aufgabe für alle Handwerkskammern in Deutschland dar.
Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.
Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Beratungs- und Bildungszentren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.
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