Insgesamt bewerten 24 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut oder sehr gut, 56 Prozent mit befriedigend und 20 Prozent mit schlecht. Besonders angespannt bleibt die Situation im Verarbeitenden Gewerbe. Wie ausgeprägt die industrielle Schwäche im Saarland inzwischen ist, zeigt die Umsatzentwicklung: Von Januar bis Juni lagen die kumulierten Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe um 6,2 Prozent unter dem bereits schwachen Vorjahreswert. Bundesweit wurde im gleichen Zeitraum dagegen ein Plus von 3,2 Prozent verzeichnet. Innerhalb der Saarindustrie bleibt das Bild differenziert. Gut laufen die Geschäfte in der Keramikindustrie. Überwiegend befriedigend ist die Geschäftslage in der Elektroindustrie, im Ernährungsgewerbe, in der Metallerzeugung, im Stahlbau, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Stahlindustrie, in der Medizintechnik, in der Gummi- und Kunststoffindustrie sowie in Teilen der Automobilzulieferindustrie. Deutlich angespannt bleibt die Situation bei den Gießereien. Vergleichsweise robust zeigt sich die Bauwirtschaft, die insbesondere von öffentlichen Aufträgen im Hoch- und Tiefbau profitiert.
Stabilisierend wirkt weiterhin der Dienstleistungssektor. Dort berichten 81 Prozent der Unternehmen von guten oder zumindest befriedigenden Geschäften. Besonders positiv entwickelt sich die IT-Wirtschaft, während bei Banken und Versicherungen befriedigende Lageeinschätzungen überwiegen. Im Handel setzt sich das durchwachsene Stimmungsbild fort. Das Gastgewerbe profitiert überwiegend vom lebhaften Sommergeschäft.
Schwache Aussichten bremsen Investitionen
Auch für die kommenden sechs Monate zeichnet sich keine durchgreifende Besserung ab. Lediglich fünf Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften, 19 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Mit 76 Prozent geht die große Mehrheit von einer weitgehend unveränderten Entwicklung aus. Der Erwartungsindikator bleibt damit deutlich im negativen Bereich. Insbesondere in der Industrie belasten die schwache Nachfrage, hohe Energie- und Standortkosten sowie die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung die Investitionsbereitschaft.
„Deutschland steckt in einer Investitions- und Produktivitätskrise. Gerade angesichts des demografischen Wandels ist das eine zentrale wirtschaftspolitische Herausforderung: Mit weniger Erwerbstätigen müssen wir künftig mehr Wertschöpfung erzielen. Das gelingt nur mit höherer Produktivität – und dafür brauchen wir Investitionen in neue Technologien, Digitalisierung, KI und moderne Produktionsanlagen. Ohne Investitionen keine Produktivität, ohne Produktivität kein nachhaltiges Wachstum. Die von der Bundesregierung angekündigten Reformen bei Bürokratie, Arbeitsmarkt und sozialen Sicherungssystemen sind erste Schritte. Sie reichen aber bei weitem nicht aus. Jetzt müssen die strukturellen Standortnachteile Deutschlands konsequent abgebaut werden: durch wettbewerbsfähige Steuern und Energiepreise, niedrigere Abgaben, weniger Regulierung, schnellere Verfahren und eine moderne Infrastruktur. Entscheidend ist, dass sich Investitionen in Deutschland wieder rechnen. Kapital fließt dorthin, wo die Bedingungen stimmen. Wenn wir Wachstum, industrielle Wertschöpfung und Wohlstand im Land halten wollen, müssen wir genau diese Bedingungen jetzt schaffen“, so Thomé.
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