Ein erneuter Ausschreibungsstopp wäre ein politischer Super-GAU
Der stellvertretende Präsident der BVMB, Jürgen Faupel, sieht deshalb akuten politischen Handlungsbedarf: „Unsere große Befürchtung ist ein erneuter Ausschreibungsstopp – das wäre angesichts des Zustands unserer Infrastruktur ein politischer Super-GAU“, erklärt er. Ohne eine kurzfristige Finanzierungslösung drohen Verzögerungen bei laufenden Maßnahmen; zugleich könnten weitere Ausschreibungen in diesem Jahr nicht mehr rechtzeitig auf den Markt gebracht werden. Eine Nachsteuerung erst in der Bereinigungssitzung im November käme zu spät. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass selbst nach Bereitstellung zusätzlicher Mittel Zeit vergeht, bis Ausschreibungen am Markt ankommen.
Hauptgeschäftsführer Michael Gilka sieht die aktuelle Lage an einem entscheidenden Wendepunkt und erinnert an das von Bundeskanzler Friedrich Merz gegebene Versprechen „Alles, was baureif ist, wird gebaut“: „Spätestens jetzt ist der Moment dieses Versprechen einzulösen.“
Die Bauwirtschaft benötigt Planungssicherheit – langfristig!
„Deutschland kann es sich nicht länger leisten, dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen auf die lange Bank zu schieben“, erklärt er. Nach Auffassung des Verbandes könnte die vollständige Verwendung der erwarteten Einnahmen aus der Lkw-Maut von über 13 Milliarden Euro einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Straßeninfrastruktur leisten. Auch bei der politisch angekündigten Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH stockt die Entwicklung. Ein kürzlich kursierender, in einem frühen Stadium befindlicher, Gesetzesentwurf sieht lediglich die Übertragung eines Teils der Lkw-Mauteinnahmen an die Autobahn GmbH vor. Rund 50 % der Mauteinnahmen kämen damit weiterhin der Schiene zugute, die ebenfalls einen enormen Bedarf hat. „Hier müsste sofort und ungekürzt ein Ausgleich für die Schiene geschaffen werden“, findet Gilka. Das Finanzierungsproblem bei den Bundesstraßen wäre damit jedoch nicht gelöst – trotz der Aussage im Koalitionsvertrag, dass Einnahmen dem jeweiligen Verkehrsträger zugutekommen sollen.
Dringender Handlungsbedarf im weiteren parlamentarischen Verfahren
Die Einnahmen aus der Lkw-Maut würden die Autobahn GmbH dazu befähigen, Kredite aufzunehmen. Allerdings könnten nach der aktuellen Planung dadurch höchstens bestehende Finanzierungslücken verringert werden. Fraglich bleibt daher insbesondere, wie die Autobahn die aufgenommenen Kredite zukünftig bedienen soll. Wird hier tatsächlich ein neuer Finanzierungsspielraum geschaffen oder lediglich eine neue Verschuldungsmöglichkeit ohne ausreichende Rückzahlungsbasis entstehen? – dass alles sind Fragen, auf die die Politik ebenfalls schnellstmöglich Antworten liefern muss.
„Die Zeit der Ankündigungen ist vorbei – die Politik ist aufgefordert, im weiteren parlamentarischen Verfahren für eine kurzfristige Absicherung und eine dauerhaft verlässliche Finanzierung der Bundesfernstraßen zu sorgen“, sind sich Faupel und Gilka einig.
Die BVMB ist ein bundesweit tätiger, tarifpolitisch ungebundener Wirtschaftsverband, der die Wirtschafts-, Markt- und Wettbewerbsinteressen seiner mittelständischen Mitgliedsunternehmen auf politischer Ebene sowie gegenüber Auftraggebern aus allen Baubereichen vertritt. Bereits seit 1964 setzt sich die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB) für die Interessen der mittelständischen Bauwirtschaft ein. Unsere Mitgliedsunternehmen erwirtschaften mit ihren insgesamt mehr als 300.000 Mitarbeitern ein Umsatzvolumen von rund 40 Mrd. Euro pro Jahr. Aufgrund der Strukturen unserer Mitgliedsunternehmen – von kleineren und größeren – bis hin zu sehr großen Straßen-, Brücken-, Hoch-, Erd-, Gleisbau- oder Bahnsicherungsunternehmen sowie deren Lieferanten, deckt die BVMB einen Großteil des Spektrums der deutschen Bauwirtschaft ab.
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