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Geschäftsjahr 2020 durch Auswirkungen der Covid-19-Pandemie belastet – deutliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte

Geschäftsjahr 2020 durch Auswirkungen der Covid-19-Pandemie belastet – deutliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte Posted on 17. März 2021

Die Geschäftsentwicklung von Leoni wurde 2020 deutlich durch die Covid-19-Pandemie belastet. Insbesondere im zweiten Quartal beeinträchtigte ein drastischer Nachfrageeinbruch die operative Geschäftsentwicklung. Trotz einer sequenziellen Erholung in der zweiten Jahreshälfte blieb der Umsatz mit 4,1 Mrd. € deutlich hinter dem Vorjahr zurück (2019: 4,8 Mrd. €). Dennoch lag das EBIT vor Sondereffekten sowie vor VALUE 21-Kosten mit -59 Mio. € über dem Vorjahr (2019: -66 Mio. €). Die konsequente Umsetzung des VALUE 21-Programms schreitet weiter voran.  Zum Ende des vierten Quartals wurden Maßnahmen zur Erreichung von Bruttokosteneinsparungen von über 550 Mio. € jährlich mit Wirkung ab 2022 umgesetzt, um das mittelfristige VALUE 21-Margenziel abzusichern. Der Free Cashflow verbesserte sich im Gesamtjahr 2020 deutlich auf -69 Mio. €. (Vorjahr: -308 Mio. €). Damit lagen das EBIT vor Sondereffekten sowie vor VALUE 21-Kosten und der Free Cashflow nach dem starken 4. Quartal oberhalb des Analysten-Konsensus für das Gesamtjahr 2020. Für das laufende Jahr 2021 erwartet Leoni einen deutlichen Anstieg des Konzernumsatzes und eine Verbesserung des EBIT vor Sondereffekten sowie vor VALUE 21-Kosten. Der Free Cashflow wird – vor Auswirkungen möglicher Desinvestments oder Akquisitionen – aufgrund von Sondereffekten voraussichtlich deutlich unterhalb des Vorjahres liegen.

„Trotz eines ausgesprochen schwierigen Umfelds ist es uns im abgelaufenen Jahr gelungen, unsere Geschäftsentwicklung zu stabilisieren und wichtige Fortschritte bei der Umsetzung von VALUE 21 zu machen. Damit haben wir den Grundstein für die nachhaltige Gesundung in den kommenden Jahren gelegt“, sagt Aldo Kamper, der Vorstandsvorsitzende der Leoni AG. „Für das laufende Jahr erwarten wir eine Erholung der Nachfrage. Gleichzeitig bleibt die Situation weiterhin sehr dynamisch. Wir werden weiter unsere Hausaufgaben machen, um Leoni Schritt für Schritt zurück auf Kurs zu bringen.“

Sequenzielle Erholung im 2. HJ; Sondereffekte belasten Konzernergebnis

In beiden Divisionen führte die Covid-19-Pandemie vor allem im zweiten Quartal 2020 zu einem deutlichen Umsatzeinbruch. Mit dem Abklingen der ersten Pandemiewelle erholten sich die Märkte im zweiten Halbjahr zwar sukzessive, im Gesamtjahr 2020 blieben die Kundenabrufe aber sowohl aus der Automobilbranche als auch aus den anderen für Leoni wichtigen Industriebereichen unter dem Vorjahr. Der Konzernumsatz nahm von 4,8 Mrd. € im Vorjahr auf 4,1 Mrd. € ab.

Das operative Ergebnis wurde 2020 durch den Covid-19-bedingt verringerten Umsatz beeinträchtigt, hat sich im zweiten Halbjahr jedoch ebenfalls sequenziell verbessert. Vor Sondereffekten und VALUE 21-Kosten stieg das Konzern-EBIT auf -59 Mio. € (Vorjahr: -66 Mio. €) und lag damit nach dem starken 4. Quartal oberhalb des Analysten-Konsensus für das Gesamtjahr 2020. Inklusive der Aufwendungen für VALUE 21 in Höhe von 24 Mio. € und der Sondereffekte in Höhe von 196 Mio. € wurde ein EBIT von -280 Mio. € (Vorjahr: -384 Mio. €) ausgewiesen.

Zu den Sondereffekten zählten außerplanmäßige Wertberichtigungen von Vermögenswerten in Höhe von -63 Mio. € (Vorjahr: -77 Mio. €), die vor allem die Wire & Cable Solutions Division betrafen. Sie standen unter anderem in Zusammenhang mit dem angekündigten Verkauf der Leoni Schweiz AG, der im vierten Quartal 2020 zu Abwertungen von rund 28 Mio. € führte. Im Zuge des erwarteten Vollzugs der Transaktion in den nächsten Wochen wird es zu einer Realisierung aufgelaufener Währungseffekte kommen, die diesen negativen Effekt nahezu kompensieren wird.

Außerdem sind Drohverlustrückstellungen in Höhe von 50 Mio. € enthalten, die vollständig die Wiring Sytems Division (WSD) betreffen. Sie wurden unter anderem aufgrund erwarteter Reduzierungen des Volumens einzelner Projekte in Folge der Covid-19-Pandemie sowie geänderter Kosteneinschätzungen gebildet und können über einen mehrjährigen Zeitraum liquiditätswirksam werden.

Ein weiterer wichtiger Sondereffekt von insgesamt -32 Mio. € (Vorjahr: – 16 Mio. €) resultierte aus Restrukturierungsrückstellungen und sonstigen Aufwendungen aufgrund strategischer Entscheidungen, die im Berichtsjahr nahezu ausschließlich in der WCS anfielen. Ein Großteil der Rückstellungen wurde im vierten Quartal für die angekündigte Schließung und den angestrebten Teilverkauf des Geschäfts am Standort Stolberg gebildet.

Hinzu kamen Kosten für die Refinanzierung des Konzerns von 24 Mio. € (Vorjahr: 15 Mio. €) und zur Vorbereitung der Trennung der Teilbereiche der Wire & Cable Solutions Division von 5 Mio. € (Vorjahr: 6 Mio. €). Außerdem entstanden im Zusammenhang mit Covid-19 insbesondere in der personalintensiven Fertigung des Unternehmensbereichs Wiring Systems externe Zusatzaufwendungen für den Schutz der Mitarbeiter in Höhe von 22 Mio. € – beispielsweise für zusätzliche Bustransporte, Schutzkleidung, Masken oder Desinfektionsmittel.

Die VALUE 21-Kosten in Höhe von 24 Mio. € umfassten hauptsächlich Beratungs-, Restrukturierungs- und Abfindungsaufwendungen und verringerten sich gegenüber dem Vorjahr erwartungsgemäß stark.

WSD: Verbesserung der operativen Performance durch VALUE 21

Im Geschäftsjahr 2020 ging der Außenumsatz des Unternehmensbereichs Wiring Systems um 16 Prozent auf 2,5 Mrd. € zurück. Die Einbußen resultierten überwiegend aus der Covid-19-Pandemie, die in nahezu allen Kundenbereichen zu einer rückläufigen Nachfrage führte. Der Unternehmensbereich Wiring Systems wies 2020 vor Sondereffekten sowie vor VALUE 21-Kosten ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von -92 Mio. € aus (Vorjahr: – 118 Mio. €). Die Verbesserung trotz der Umsatzeinbußen resultierte unter anderem aus dem Wegfall hoher Einmalbelastungen, die im Vorjahr an einem mexikanischen Standort entstanden waren. Zusätzlich wirkten sich die Maßnahmen des Programms VALUE 21 positiv aus. Hier wurden unter anderem Effizienzsteigerungen in der Produktion sowie Verbesserungen der Einkaufsperformance und vertriebsseitige Erfolge bei der Durchsetzung von Ansprüchen gegenüber Kunden erzielt. Das berichtete EBIT lag aufgrund der Belastungen durch vorgenannte Sondereffekte und VALUE 21-Kosten bei – 210 Mio. € (Vorjahr: -370 Mio. €).

Entsprechend der im Rahmen von VALUE 21 konkretisierten Strategie wurden neue Projekte restriktiver nach Cashflow- und Ergebniskriterien selektiert, um künftig das organische Wachstum auf das Niveau der Marktentwicklung zu beschränken und den Fokus auf die Auslastung bestehender Kapazitäten sowie strategische Kundenbeziehungen zu legen. Außerdem bremste die Covid-19-Pandemie die Vergabe von Neuaufträgen im Geschäftsjahr 2020 und führte zu zeitlichen Verschiebungen durch die Kunden. Im Geschäftsjahr 2020 gingen im Unternehmensbereich WSD neue Aufträge mit einem erwarteten Projektvolumen von 1,4 Mrd. € ein (Vorjahr: rund 2 Mrd. €).

WCS: Positives operatives Ergebnis trotz Covid-19-Belastungen

Der Außenumsatz der Wire & Cable Solutions Division nahm 2020 gegenüber dem Vorjahreswert von 1,8 Mrd. € um 13 Prozent auf 1,6 Mrd. € ab. Ursächlich für den Rückgang, der im Industriebereich allerdings geringer ausfiel als im Automobilgeschäft, waren hauptsächlich die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Kupferpreis- und Währungsumrechnungs-Effekte führten lediglich zu geringfügigen Veränderungen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) des Unternehmensbereichs Wire & Cable Solutions belief sich 2020 vor Sondereffekten und VALUE 21-Kosten auf 34 Mio. € nach 51 Mio. € im Vorjahr. Die negativen Auswirkungen der Covid-Krise konnten durch Maßnahmen zur Gegensteuerung und kostensenkende Effekte aus dem Programm VALUE 21 zu einem großen Teil ausgeglichen werden. Das berichtete EBIT lag aufgrund vorgenannter Sondereffekte und VALUE 21 Kosten bei -69 Mio. € (Vorjahr: – 14 Mio. €).

Die Wire & Cable Solutions Division erhielt im Berichtszeitraum neue Aufträge im Wert von 1,6 Mrd. € nach 1,7 Mrd. € im Vorjahr. Daraus errechnet sich eine Book-to-bill-Ratio von rund 1.

Investitionen deutlich reduziert

Im Berichtsjahr wurden die Investitionen für das operative Geschäft erheblich reduziert und auf den betriebsnotwendigen Umfang beschränkt. Ohne den Zugang von Nutzungsrechten gemäß IFRS 16 sanken die Investitionen des Leoni-Konzerns in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte auf 182 Mio. € (Vorjahr: 271 Mio. €). Davon investierte der Unternehmensbereich Wiring Systems 126 Mio. € (Vorjahr: 177 Mio. €), vor allem für Werksneubauten und -erweiterungen im Rahmen anstehender Kundenprojekte, und die Wire & Cable Solutions Division 55 Mio. € (Vorjahr: 89 Mio. €), u.a. für den Kapazitätsausbau für Industriespezial- und Automotive-Datenleitungen.

Auf den Zugang von Nutzungsrechten, die aus dem Abschluss neuer Leasingverträge, unter anderem im Zusammenhang mit Sale-and-Lease-back-Transaktionen resultierten, entfielen konzernweit 145 Mio. € (Vorjahr: 86 Mio. €). Die Gesamtinvestitionen betrugen damit 327 Mio. € (Vorjahr: 357 Mio. €).

Finanz- und Vermögenslage: Free Cashflow deutlich über Vorjahr

Der Free Cashflow des Leoni-Konzerns erhöhte sich im Gesamtjahr 2020 deutlich auf -69 Mio. €. (Vorjahr: -308 Mio. €). Ursächlich für die positive Entwicklung waren neben der Verbesserung des Ergebnisses der mit der Geschäftserholung verbundene Anstieg der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen bei einem weiterhin strikten Bestandsmanagement sowie die Ausnutzung der Factoring- und Reverse-Factoring-Linien.

Die frei verfügbare Liquidität des Leoni-Konzerns belief sich Ende 2020 auf 503 Mio. € (Vorjahr: 624 Mio. €), davon 196 Mio. € Barmittel (Vorjahr: 144 Mio. €) und 307 Mio. € freie Kreditlinien (Vorjahr: 480 Mio. €). Von der frei verfügbaren Liquidität sind zum Bilanzstichtag Avale in Höhe von 80 Mio. € abzuziehen (Vorjahr: 74 Mio. €).

VALUE 21-Maßnahmen zur Erreichung des Bruttokosteneinsparziels vorzeitig umgesetzt

Die VALUE 21-Maßnahmen zur Erreichung des Bruttokosteneinsparziels von 500 Mio. € pro Jahr mit Wirkung ab 2022 waren bereits Ende des dritten Quartals 2020 und damit deutlich früher als ursprünglich geplant umgesetzt. Zum Ende des vierten Quartals wurden bereits Maßnahmen zur Erreichung von jährlich über 550 Mio. € Bruttokosteneinsparungen mit Wirkung ab 2022 umgesetzt. Die Nettoeffekte der Initiativen sind aber abhängig von der Entwicklung des Geschäftsvolumens. Damit die Einsparpotenziale vollständig realisiert werden können, muss die Nachfrage wieder deutlich anziehen. Da sich aus der Covid-19-Pandemie gegenläufige Einflüsse und Unsicherheiten ergeben, startet Leoni kontinuierlich neue Maßnahmen, um die Erreichung des mittelfristigen EBIT- und Free-Cashflow-Margenziels des Programms abzusichern sowie die Leistung und Effizienz weiter zu verbessern.

Bis Ende 2020 führte das Programm zu Kosten in Höhe von 112 Mio. €, das entspricht dem Großteil der ursprünglich geplanten Gesamtkosten von rund 120 Mio. €.

Trennung von WCS Teilbereichen schreitet voran

Im Berichtsjahr wurden die Vorbereitungen für den Carve-Out der Wire & Cable Solutions Division fortgesetzt. Vor dem Hintergrund des bisherigen Feedbacks aus dem Markt wird prioritär ein Teilverkaufs-Szenario verfolgt, da potenzielle Investoren wegen der vielfältigen Kompetenzen und Kunden der verschiedenen WCS-Einheiten mehr Interesse für einzelne Teilbereiche zeigen.

Im Geschäftsjahr 2020 wurde ein Großteil der Voraussetzungen für Carve-Outs von Teilbereichen der WCS geschaffen – und hierzu die WCS neu in verkaufsfähige Geschäftsbereiche geordnet. Im Februar 2021 wurde mit der Leoni Schweiz AG eine erste WCS-Einheit verkauft. Für weitere Geschäftsbereiche der WCS wurde bereits konkretes Interesse signalisiert.

Prognose

In seiner aktuellen Planung geht der Vorstand für 2021 von einem deutlichen Anstieg des Konzernumsatzes im niedrigen zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr (2020: 4,1 Mrd. €) aus. Dieser erwartete Anstieg begründet sich durch den Hochlauf neuer Bordnetzprojekte sowie die erwartete Fortsetzung der Nachfrageerholung im Automobil- und Industrieumfeld.

Das Konzern-EBIT vor Sondereffekten sowie vor VALUE 21-Kosten wird sich aus heutiger Sicht gegenüber dem Vorjahr (2020: -59 Mio. €) deutlich verbessern. Positiv bemerkbar machen sich hier vor allem der prognostizierte Mehrumsatz sowie positive Effekte aus dem VALUE 21-Programm und dem Restrukturierungskonzept. Die Kosten für das VALUE 21-Programm werden sich gegenüber 2020 (2020: 24 Mio. €) reduzieren. Deutlich verringern dürften sich die negativen Sondereffekte (2020: 196 Mio. €).

Für den Free Cashflow rechnet der Vorstand mit einer deutlichen Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr (2020: -69 Mio. €). Ursächlich hierfür ist die Liquiditätswirksamkeit von bereits im Jahr 2020 erfolgswirksam gebuchten Sondereffekten im Zusammenhang mit dem Sanierungskonzept, welche aber erst im Jahr 2021 zahlungswirksam werden. In diesem Zusammenhang ist vor allem die Restrukturierung am Standort Stolberg zu nennen. Darüber hinaus kann sich ein anhaltend hoher Kupferpreis negativ auswirken.

Effekte aus möglichen Desinvestments oder Akquisitionen sind in der Prognose aller genannten Kennzahlen nicht enthalten.

Die Prognose unterstellt, dass die Auswirkungen der Pandemie im Laufe des Geschäftsjahres 2021 überwunden werden und sich die sequenzielle Erholung des operativen Geschäfts fortsetzt und es zu keinen wesentlichen Auswirkungen infolge möglicher Produktionsunterbrechungen durch die Covid-19-Pandemie oder durch Engpässe in den globalen Lieferketten kommen wird. Hinsichtlich derartiger Engpässe bestehen aktuell erhöhte Risiken, insbesondere mit Blick auf die Verfügbarkeit von kritischen Bauteilen. Des Weiteren liegen den Erwartungen stabile Wechselkurse und Kupferpreise zugrunde. Mit Ausnahme der Leoni Schweiz AG basiert dieser Ausblick auf dem Konsolidierungskreis per 31. Dezember 2020.

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