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Mehr Coronavirus-Angst in den USA

Mehr Coronavirus-Angst in den USA Posted on 26. März 2020

Eine aktuelle eye square Studie zeigt, dass die Krisenerfahrungen in verschiedenen Ländern deutlich voneinander abweichen. So wird in den USA das Coronavirus derzeit als wesentlich bedrohlicher empfunden als in Deutschland.

Die Wahrnehmung der aktuellen Coronavirus-Krise erfolgt nicht nur individuell, sondern auch regional/national unterschiedlich und unterliegt keinem synchronen Ablauf. Während Deutschland im Prozess der Krisenbewältigung bereits in Richtung Regression voranschreitet, scheint in den USA weitgehend noch Panik vorherrschend zu sein.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle eye square Studie zur Wahrnehmung der Corona Pandemie in den USA. Die impliziten Messungen zu den Attributen “Krankheit” und “Ansteckung” zeigen, dass die rein physiologischen Gefahren sowohl für Grippe als auch für das Coronavirus ähnlich eingeschätzt werden. Dies ist bei den eher psychologischen und sozialen Folgen der Pandemie deutlich anders. So ergeben implizite Messungen in den USA bezüglich der Begriffe „Bedrohung”, “Angst” und “Krise“ deutlich höhere Ergebnisse. Während in den USA 72% der Teilnehmer das Coronavirus mit einer Bedrohung und 70% mit Angst assoziieren, liegen diese Werte in Deutschland nur bei 62% bzw. 56% – eine deutliche Abweichung. [Darstellung]


Der Grund für diese Unterschiede liegt sowohl in der wahrgenommen Nähe der Krisenursache, als auch in den politischen, sozialen und medialen Umständen, welche entweder Panik oder Entspannung als psychische Reaktionen auslösen. Diese Erkenntnisse erlauben es nunmehr, unterschiedliche Reaktionen auf individueller und staatlicher Ebene im Ausland besser zu verstehen und Kommunikation entsprechend zu planen.

Im Zusammenhang mit dem eye square 4-Phasen-Modell (“Corona Rad”) ergibt sich auch eine gewisse Prognostizierbarkeit, welche Wahrnehmungen und Verhaltensweisen wahrscheinlich zu erwarten sind. So folgt auf Phase II “Regression” für gewöhnlich Phase III “Hyper Strength” und Phase IV “New Normality”. Eine Erklärung des 4-Phasen Modells finden Sie unten.

Unter www.eye-square.com/de/cec finden Sie unser neues „Corona Experience Center”, in dem wir regelmäßig neue Studienergebnisse zur Wahrnehmung der Coronavirus-Krise in Deutschland, USA, China und Indien veröffentlichen. Diese geben einen Überblick darüber, wie sich die Reaktionen und Verhaltensweisen in unterschiedlichen Ländern im Laufe der Zeit verändern. Unsere Erkenntnisse bereiten wir gerne nach Ihren speziellen Bedürfnissen auf. Sie geben Orientierung bei der Planung von Kommunikation und Kampagnen in den erfassten Ländern. Kontaktieren Sie uns dazu via science@eye-square.com.

Das „Corona-Rad” – Phasen der Krisenbewältigung 

Das eye square 4-Phasen-Krisenmodell [Darstellung] beschreibt die inneren psychologischen und sozialen Reaktion und Verhaltensweisen während eine Krise:

I. Turmoil/Panic (Phase I) – „Ich muss handeln”

II. Regression/Comfort (Phase II) – „Wir können nichts tun”

III. Hyper Strength (Phase III) – „Ich kann handeln”

IV. Neo-Normality (Phase IV) – „Wir dürfen handeln“

Erläuterung der einzelnen Phasen 

I. Turmoil/Panic: „Ich muss handeln”

Das Coronavirus ist für die Menschen ein salienter Reiz, der die eigene Sterblichkeit triggert. Durch diesen sogenannten mortalitätssalienten Reiz wird Angst und Schrecken ausgelöst. Da dieser sich auf den eigenen Tod beziehungsweise den Tod im familiären Umfeld bezieht, findet eine Erregung im tiefsten Zentrum des Menschen statt. In Phase I wird ein unruhiges Verhalten und kurzfristige Überlebensreaktionen ausgelöst, wie z.B. der panische Kauf von nicht verderblichen Lebensmitteln und Toilettenpapier. Die Reaktionen sind chaotisch und könnten paranoid sein. Die Wahrnehmung ist geschärft, intensiv und nichtlinear, die Bilder sind dystopisch, klinisch und tödlich. Die Worte sind objektiv, neu und hart: "Triage" zum Beispiel. Das Aufmerksamkeitsfenster ist klein, da nur die neuesten Entwicklungen im Zusammenhang mit der Krise konsumiert werden. Es gibt eine eher paranoide Reaktion gegen den Staat (Kollektiv). Der innere Archetyp ist der Kämpfer, das Verhalten ist aufgewühlt.

II. Regression/Comfort: „Wir können nichts machen”

Wenn die Realität der neuen Umstände einsetzt und Panikreaktionen abklingen, entstehen neue emotionale Reaktionen, sowohl positive als auch negative, wie z.B.: Entspannung (positive Gefühle, z.B. durch den Wegfall des Büros oder den langsameren Gang des Lebens mit der Aufhebung aller Verpflichtungen) oder Depression (verbunden z.B. mit der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, dem ständigen Verbleiben zu Hause, dem Niedergang der Finanzmärkte). In Phase II findet ein eher passives Gefühl von Fatalismus, Unvermeidbarkeit und Delegation statt. Die Wahrnehmung ist diffus, die Erregung gering, das Gefühl, klein zu sein, führt zu einem Rückgang der Handlungen. Die Wahrnehmung ist chaotisch und traumartig. Die Menschen beginnen, auf einen "Großen Anderen" zu schauen, um sowohl Trost als auch praktische Lösungen zu finden. Dieser "Große Andere" variiert von Kultur zu Kultur; für viele ist es die Religion, für einige, besonders in Westeuropa, der Staat. Das Aufmerksamkeitsfenster erweitert sich beträchtlich, wenn die Menschen Zeit haben und anfangen, tröstende Medien zu konsumieren. 

III. Hyper Strength: „Ich kann handeln“

Charakterisiert wird diese Phase durch die Konzentration auf praktische Lösungen zur Bewältigung der Situation oder zum Umgang mit den konkreten Problemen. Diese „heroische Phase" ist eine hochgradig emotionale. Sie ist lösungs- und kontrollorientiert mit erhöhter Motivation und Einfühlungsvermögen. Sie wird oft von einem Gefühl der Solidarität und dem Aufruf zur Zusammenarbeit bei der Bewältigung der anstehenden Probleme angetrieben. Die Betonung der Solidarität führt oft zu einer Überidentifikation mit dem eigenen Selbst und kann sich in einem verstärkten Gruppenverhalten manifestieren (“Wir gegen die anderen”). In Phase III werden sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene Grenzen errichtet und befestigt. Es gibt eine Hinwendung zu intellektuellen Ressourcen wie Büchern und Online-Kursen. Die Menschen beginnen, sich auf die Verbesserung sowohl des individuellen Selbst als auch der Gruppe, der man angehört, zu konzentrieren. Die Wahrnehmung ist fokussiert, die Reaktionen logisch, das Verhalten geordnet. Es herrscht hochenergetische Erregung, mit spürbarem Einfühlungsvermögen, Geduld und Stärke.

IV. Neo-Normality:  „Wir dürfen handeln“

Nach dem Abklingen der unmittelbaren Bedrohung kehrt die Bevölkerung wieder zu einem Gefühl der (neuen) Routine zurück. Während sie mit der neuen Situation zurechtkommen, ist diese Routine gekennzeichnet durch eine erweiterte Aufmerksamkeit und eine geringe Erregung.

Diese vier Phasen der menschlichen Krisenerfahrung entwickeln sich nicht unbedingt linear und variieren von Kultur zu Kultur. In der Regel verlaufen sie jedoch von Phase I zu Phase IV. Eine weitere Veränderung der Situation kann das “Corona-Rad” erneut in Bewegung bringen. 
 
Lesen Sie die gesamte Studie hier (Sprache: Englisch): https://www.eye-square.com/de/usa-corona-studie-download/

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