Wer die Modelle inzwischen anbietet und wie groß ihr Anteil ist
Das Segment ist nicht mehr auf spezialisierte Anbieter beschränkt. Nach Angaben des HDS/L greifen neben reinen Barfußschuh-Herstellern immer mehr etablierte Marken das Thema auf und nehmen entsprechende Modelle in ihre Kollektionen auf. Die Umfrage vom Juli 2026 richtete sich an Hersteller und Marken, die bereits Barfußschuhe führen; die Werte gelten also für diese Gruppe, nicht für die gesamte Schuhindustrie.
Sechs Eckzahlen des HDS/L und der Messe Offenbach beschreiben den Stand im Sommer 2026:
- 13 Prozent Anteil an der Gesamtkollektion bei Herstellern mit solchen Modellen in der Saison Frühjahr/Sommer 2026
- 6 Prozent Anteil in der Saison Frühjahr/Sommer 2025
- 102 Aussteller mit 121 Marken aus 26 Ländern auf der zweiten Barefoot European Shoe Fair vom 24. bis 26. Juli 2026
- rund 75 Prozent der Aussteller aus dem Ausland
- 300 Fach- und Privatbesucher an drei Messetagen
- 58 verbindliche Anmeldungen für die dritte Ausgabe im Januar 2027 bereits vor Messebeginn
Die Zahl der Marken hat sich laut HDS/L gegenüber der Premiere im Juli 2025 fast verdoppelt. Vertreten waren Damen-, Herren- und Kinderschuhe sowie Sicherheitsschuhe, darunter zahlreiche Mitgliedsunternehmen des Verbands.
Warum die Hersteller die Schuhe nicht mehr als Sommerware sehen
Der Handel hat das Segment lange als Frühjahrs- und Sommerthema behandelt. Die Umfrage des HDS/L vom 24. Juli 2026 widerspricht dieser Einschätzung: Alle befragten Unternehmen sehen Barfußschuhe als Ganzjahresthema und zeigen auch für die Saison Herbst/Winter entsprechende Modelle. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Torben Schütz, sagte nach der Messe, auch bei winterlichen Modellen sei das Thema zunehmend interessant.
Ein Ganzjahresthema verändert die Planung im Fachhandel. Ein Ganzjahresartikel braucht Regalfläche im Herbst, wenn gefütterte Modelle und wasserabweisende Materialien gefragt sind, und er konkurriert dann nicht mehr mit Sandalen, sondern mit Stiefeln und Sneakern. Für Hersteller bedeutet das zwei Kollektionen je Jahr statt einer. Was einen solchen Schuh technisch von einem herkömmlichen unterscheidet, von der Sohlenstärke bis zur Sprengung, erklärt ein Beitrag zu Aufbau und Materialwahl bei Barfußschuhen.
Der Verband verweist zudem auf einen Wandel der Zielgruppe. Das frühere Image als Nischenprodukt für Umweltbewusste hätten die Schuhe abgelegt; laut HDS/L wecken Marketingstrategien, die alle Altersgruppen ansprechen und unter anderem das Thema Langlebigkeit betonen, bei Handel und Endkunden Interesse, die Schuhe auszuprobieren.
Wie international die Nachfrage nach dem Segment geworden ist
Die Messe in Offenbach ist zum Treffpunkt einer internationalen Branche geworden. Nach Angaben der Messe Offenbach vom 27. Juli 2026 präsentierten sich auf der zweiten Ausgabe 102 Aussteller mit 121 Marken aus 26 Ländern; rund 75 Prozent der Aussteller kamen aus dem Ausland. An den ersten beiden Tagen war die Messe Fachbesuchern vorbehalten, am Sonntag auch Endverbrauchern geöffnet.
Für die deutschen Hersteller ist der Export der nächste Schritt. Laut HDS/L stehen bei den Exportaktivitäten vor allem europäische Länder im Fokus, darunter Großbritannien, die Schweiz, Österreich, die Niederlande, Tschechien und Spanien; Chancen sehen die Hersteller auch in den Vereinigten Staaten. Der Verband berichtet zugleich, dass viele Aussteller deutsche Händler auf der Messe vermisst hätten, während das internationale Interesse gewachsen sei.
Was Beratung im Fachhandel für den Verkauf bedeutet
Der Verkauf hängt an der Anprobe. Nach Angaben des HDS/L sind eine moderne Optik im Zusammenspiel mit kompetenter Beratung die Voraussetzungen für den Erfolg im stationären Fachhandel; Kunden müssten das besondere Gefühl eines Barfußschuhs am Fuß erleben können. Die deutschen Anbieter stellen dem Handel dafür laut Verband Schulungsmaterial und Marketingunterlagen zur Verfügung.
Auf der Messe ging es auch um Kinderfüße. Laut HDS/L steuerte das Deutsche Schuhinstitut Erfahrungswerte zu Kindermodellen bei, ein Segment, in dem Passform und Beratung besonders zählen. Das begleitende Programm umfasste nach Angaben des Verbands wissenschaftliche Vorträge und Gesprächsrunden zum Thema.
„Ein Barfußschuh verkauft sich nicht über das Regal, sondern über die ersten zehn Schritte im Laden. Wenn der Fachhandel diese Anprobe nicht anbietet, wandert das Segment vollständig ins Netz – und genau dort fehlt dann die Beratung, die der Verband für den Erfolg nennt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Die Messe verdoppelt ab 2027 ihren Rhythmus
Der Rhythmus verdoppelt sich. Nach Angaben der Messe Offenbach findet die Barefoot European Shoe Fair ab 2027 halbjährlich statt: Die dritte Ausgabe läuft vom 29. bis 31. Januar 2027, die vierte vom 23. bis 25. Juli 2027. Schon vor Beginn der zweiten Ausgabe hatten laut Messe 58 Aussteller ihre Teilnahme im Januar 2027 verbindlich zugesagt; während der drei Messetage kamen weitere hinzu.
Der Januartermin fällt in die Orderphase für Herbst/Winter 2027. Ob der Kollektionsanteil weiter steigt, wird sich an den Ordern dieser Saison zeigen; die nächste Umfrage des HDS/L unter den Herstellern dürfte zur Sommermesse 2027 vorliegen.
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