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Dr. Reuter Investor Relations – Das neue Wettrüsten ist ein Rohstoffrennen

Dr. Reuter Investor Relations – Das neue Wettrüsten ist ein Rohstoffrennen Posted on 10. September 2026

Der Westen hat die finanziellen Mittel für die Aufrüstung mobilisiert. Schwieriger dürfte es werden, die dafür benötigten Metalle zu sichern.

Während die USA und Europa Milliarden in Raketen, Flugzeuge, Drohnen, Marineschiffe und Luftverteidigungssysteme investieren, rückt die vorgelagerte Lieferkette stärker in den Fokus. Dort finden sich Rohstoffe, die in Debatten über militärische Stärke bislang kaum eine Rolle spielten. Dazu zählen Seltene Erden und Niob – kritische Rohstoffe, deren strategische Bedeutung mit der technologischen Komplexität moderner Waffensysteme wächst.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur, ob genügend Material im Boden vorhanden ist. Ebenso wichtig ist, wo es gefördert wird, wer es verarbeiten kann und ob Hersteller auch in einer geopolitischen Krise verlässlich darauf zugreifen können.

Das neue Wettrüsten wird damit zunehmend zu einem Rohstoffrennen.

Die weltweiten Militärausgaben erreichten 2025 nach von VanEck zitierten Zahlen 2,9 Billionen US-Dollar. Zugleich bauen europäische Regierungen nach Jahrzehnten relativer Zurückhaltung ihre Waffenbestände und industriellen Kapazitäten wieder aus. Da die NATO-Mitglieder einen wachsenden Anteil ihrer Verteidigungshaushalte für Ausrüstung vorsehen, steigt mit den Militärausgaben auch der Bedarf an den dafür erforderlichen Rohstoffen.

Am deutlichsten zeigt sich die Verwundbarkeit bei Seltenen Erden. Neodym und Praseodym, kurz NdPr, werden für Hochleistungs-Permanentmagnete benötigt, die unter anderem in Elektromotoren, moderner Elektronik sowie in Luft- und Raumfahrt- und Verteidigungsanwendungen eingesetzt werden. Chinas strategischer Vorteil reicht dabei über den Bergbau hinaus bis in die technologisch anspruchsvolleren Stufen der Trennung, Raffination und Magnetherstellung.

Niob steht seltener im Rampenlicht, gehört jedoch in dieselbe strategische Debatte.

Schon in kleinen Mengen kann Niob die Festigkeit von Stahl deutlich erhöhen. Dadurch lassen sich leichtere Bauteile mit höherer struktureller Leistungsfähigkeit herstellen. Niobhaltige Werkstoffe werden überall dort eingesetzt, wo Festigkeit, Haltbarkeit, Korrosionsbeständigkeit oder hohe Temperaturbeständigkeit gefragt sind – Eigenschaften, die für Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energieinfrastruktur und moderne Fertigung relevant sind.

Für Streitkräfte, die leichtere Fahrzeuge, robustere Strukturen und leistungsfähigere Luftfahrt- und Antriebssysteme benötigen, liegt der Nutzen auf der Hand. Die Lieferkettenrisiken bei Niob unterscheiden sich jedoch von denen bei Seltenen Erden.

Brasilien dominiert die weltweite Niobproduktion. Das Zentrum der Branche liegt im Bezirk Araxá im Bundesstaat Minas Gerais. Das dort ansässige Unternehmen CBMM steht laut einer Analyse von MST Access für rund 80 Prozent des weltweiten Angebots.

Die strategischen Abhängigkeiten sind damit unterschiedlich gelagert. Bei Seltenen Erden versuchen westliche Regierungen, Chinas Kontrolle über Verarbeitung und nachgelagerte Produktion zu verringern. Bei Niob besteht dagegen eine außergewöhnlich starke Konzentration der Minenproduktion in Brasilien.

Beide Lieferketten führen zunehmend in dasselbe Land.

Brasilien verfügt über die zweitgrößten Reserven an Seltenen Erden weltweit und nimmt bei Niob bereits eine beherrschende Stellung ein. Das internationale Interesse wächst entsprechend. Eine Auswertung von Bergbaudaten durch Associated Press und Reporter Brasil identifizierte 2.727 Explorationsanträge für Seltene Erden in Brasilien. Mehr als 86 Prozent davon wurden innerhalb der vorangegangenen drei Jahre eingereicht. Unternehmen mit ausländischer Beteiligung standen für 42 Prozent der Anträge; besonders stark vertreten war Kapital aus Australien, den USA und Kanada.

Auch Washington richtet den Blick verstärkt auf Brasilien. US-nahes Kapital fließt zunehmend in brasilianische Seltene-Erden-Projekte, während politische Entscheidungsträger nach Bezugsquellen außerhalb des chinesischen Einflussbereichs suchen. Ein besonders deutliches Signal ist die Übernahme von Serra Verde, dem einzigen kommerziellen Produzenten Seltener Erden in Brasilien, durch ein Unternehmen, an dem die US-Regierung beteiligt ist. Sie zeigt, wie sich kritische Rohstoffe von einem handels- zu einem sicherheitspolitischen Thema entwickeln.

Dabei handelt es sich nicht lediglich um einen weiteren Schauplatz des Wettbewerbs zwischen den USA und China. China bleibt ein wichtiger Investor in Brasilien. Gleichzeitig bemühen sich auch Europa, Kanada, Japan, Indien und Australien um engere Partnerschaften im Bereich kritischer Rohstoffe.

Dieser Wettbewerb verschafft Brasilien Verhandlungsmacht. Die Regierung in Brasília hat wenig Anreiz, sich mit dem traditionellen Rohstoffmodell zufriedenzugeben, bei dem Mineralien im Land gefördert, die wertschöpfungsintensiven Verarbeitungsschritte jedoch andernorts vorgenommen werden. Brasilien verfolgt zunehmend das Ziel, einen größeren Teil der industriellen Wertschöpfung im eigenen Land aufzubauen – vom Bergbau über Trennung und Raffination bis hin zu modernen Werkstoffen und Magneten.

An der Schnittstelle dieser Entwicklungen rückt ein in Australien börsennotiertes Bergbauunternehmen in eine zunehmend strategische Position.

Das Araxá-Projekt von St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8) in Minas Gerais umfasst bedeutende Vorkommen sowohl an Seltenen Erden als auch an Niob innerhalb derselben Lagerstätte.

Nach einer Aktualisierung vom August beläuft sich die Ressource auf 111,2 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 3,57 Prozent Gesamtgehalt an Seltenerdoxiden und 0,57 Prozent Niobpentoxid. Davon entfallen 75,2 Millionen Tonnen auf die höher eingestuften Kategorien Measured und Indicated. Darin enthalten sind rund 520.000 Tonnen NdPr-Oxide. St George bezeichnet Araxá als die größte hochgradige, an Karbonatit gebundene Seltene-Erden-Ressource Südamerikas.

Auch das Niobvorkommen ist für sich genommen bedeutend. In seinen Investorenunterlagen beschreibt St George Araxá als die weltweit größte noch unerschlossene Niobressource der Kategorie Measured. Das Projekt grenzt an die Betriebe von CBMM und liegt damit unmittelbar neben dem Zentrum der bestehenden globalen Niobindustrie.

Der Standort könnte sich als fast ebenso wichtig erweisen wie die Geologie. Araxá liegt in einem etablierten Bergbaurevier mit Straßen, Stromversorgung, qualifizierten Arbeitskräften und bestehendem Marktzugang. Die Mineralisierung beginnt an der Oberfläche, und ein großer Teil der Ressource befindet sich in einem vergleichsweise flachen Verwitterungsprofil. Dies könnte St George Vorteile gegenüber Projekten verschaffen, die abgelegene Infrastruktur oder technisch anspruchsvollere Abbaumethoden erfordern.

Eine große Ressource ist allerdings noch keine Mine.

St George befindet sich weiterhin in der Entwicklungsphase und muss noch nachweisen, dass Araxá genehmigt, finanziert und im kommerziellen Maßstab wirtschaftlich verarbeitet werden kann. Im August leitete das Unternehmen das formelle Umweltgenehmigungsverfahren ein und reichte bei den Behörden von Minas Gerais eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowie den zugehörigen Umweltbericht ein. Parallel dazu arbeitet der Ingenieurdienstleister Worley an einer Machbarkeitsstudie. Vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen und einer endgültigen Investitionsentscheidung geht St George derzeit davon aus, dass der Bau in der zweiten Jahreshälfte 2029 abgeschlossen werden könnte.

Gleichzeitig versucht das Unternehmen, eine der größten Schwachstellen westlicher Lieferketten für Seltene Erden anzugehen: die Frage, was nach der Förderung mit dem Material geschieht.

Am 27. August gab St George eine Vereinbarung mit dem brasilianischen Industriekonzern Lima & Pergher und der Regierung von Minas Gerais bekannt. Gemeinsam soll die Errichtung eines Verarbeitungszentrums für Seltene Erden in Uberlândia geprüft werden. Die geplante Anlage könnte Material aus Araxá und anderen Projekten im Bundesstaat aufnehmen und raffinierte Produkte für nachgelagerte Hersteller liefern. Darüber hinaus könnte sie MagBras versorgen, eine öffentlich-private Initiative zum Aufbau der ersten brasilianischen Produktionsanlage für Seltene-Erden-Magnete.

Das geplante Zentrum steht beispielhaft für Brasiliens weitergehenden Anspruch: Das Land will nicht nur kritische Rohstoffe liefern, sondern einen größeren Anteil der Wertschöpfung zwischen Mine und Endprodukt im eigenen Land halten.

Für Europa ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung.

Das Streben der EU nach strategischer Autonomie fällt mit einem steigenden Rohstoffbedarf in Verteidigung, Elektrifizierung und erneuerbaren Energien zusammen. Für alle drei Bereiche werden vielfach dieselben kritischen Materialien benötigt. Zugleich konkurriert Europa mit den USA und Asien um verlässliche internationale Bezugsquellen.

Brasilien bietet Europa daher eine Chance – allerdings keine exklusive. Washington zeigt eine wachsende Bereitschaft, staatliches Kapital und Beschaffungspolitik zur Sicherung kritischer Rohstoffe einzusetzen. China verfügt über tief verwurzelte Geschäftsbeziehungen im Land. Brasília wiederum kann diesen Wettbewerb nutzen, um Verarbeitungstechnologie, Investitionen und industrielle Fertigung einzuwerben, statt lediglich langfristige Abnahmeverträge für unverarbeitete Rohstoffe abzuschließen.

Araxá wird die Rohstoffabhängigkeiten des Westens nicht im Alleingang lösen. Das kann keine einzelne Mine. Auch die Entwicklung des Projekts ist nicht garantiert. Die Kombination aus einer großen Seltene-Erden-Ressource, einem bedeutenden Niobvorkommen, vorhandener Infrastruktur und dem Vorhaben, nachgelagerte Verarbeitungskapazitäten aufzubauen, macht Araxá jedoch zu einem anschaulichen Beispiel dafür, wohin sich der Wettbewerb um kritische Rohstoffe bewegt.

Die neuen Verteidigungszusagen des Westens werden meist in Dollar, Euro und Prozent des Bruttoinlandsprodukts gemessen. Für die tatsächliche strategische Unabhängigkeit könnte am Ende jedoch eine andere Einheit entscheidend sein: Tonnen.

Das frühere Wettrüsten wurde an Raketen und Sprengköpfen gemessen. Das neue könnte mit einer weniger sichtbaren Frage beginnen: Wer kann sich die Seltenen Erden und Spezialmetalle sichern, die für ihre Herstellung benötigt werden?

Quellen
https://www.vaneck.com/at/en/blog/etf-insights/the-new-arms-race-is-a-metals-race/
https://rareearthexchanges.com/news/brazil-the-new-battleground-in-great-powers-era-2-0/
https://www.stgm.com.au/
https://www.bbvaresearch.com/en/publicaciones/the-state-of-global-military-spending-in-2025/

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St George Mining
Land: Australien
ISIN: AU000000SGQ8
https://stgm.com.au/

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