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Businessplan als Nadelöhr der Gründungswelle: 690.000 Existenzgründungen in einem Jahr treffen auf unveränderte Anforderungen der Kapitalgeber

Businessplan als Nadelöhr der Gründungswelle: 690.000 Existenzgründungen in einem Jahr treffen auf unveränderte Anforderungen der Kapitalgeber Posted on 11. August 2026

Die Selbstständigkeit in Deutschland wächst wieder, und sie wächst an einer Stelle, die klassische Förderwege kaum vorsehen. Laut dem Gründungsmonitor 2026 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wagten im Jahr 2025 rund 690.000 Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Das sind etwa 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Den Zuwachs trägt fast vollständig der Nebenerwerb.

Für die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen ist das ein Befund mit praktischer Folge. Wer nebenbei gründet, hat keine zwei Wochen Zeit für einen Finanzteil — braucht ihn aber in derselben Qualität wie ein Vollerwerbsgründer, sobald eine Bank, ein Förderinstitut oder ein Zuschussgeber ins Spiel kommt. Genau dafür hat das Unternehmen Bankreif als Werkzeug für die Businessplan-Erstellung entwickelt.

Dass 44 Prozent der neuen Vorhaben einen digitalen Schwerpunkt haben, verschiebt zusätzlich den Kostenblock. Wo früher Ladenmiete stand, steht heute ein Werbebudget — eine Position, die sich mit einem Rechner für das Google-Ads-Budget vorab durchspielen lässt.

Was der Gründungsmonitor für 2025 ausweist

Nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau verteilt sich die Gründungstätigkeit wie folgt:

  • Rund 690.000 Personen gründeten, ein Zuwachs von etwa 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Auf den Nebenerwerb entfielen rund 483.000 Gründungen — ein neuer Höchststand.
  • Die Vollerwerbsgründungen blieben mit rund 207.000 nahezu unverändert.
  • Etwa 70 Prozent aller Gründungen erfolgten damit nebenberuflich.
  • Das Durchschnittsalter lag bei 34,2 Jahren, 40 Prozent der Gründenden waren jünger als 30 Jahre.
  • Bei 44 Prozent der Vorhaben stand ein digitaler Schwerpunkt im Mittelpunkt.

Der Nebenerwerb verschiebt die Anforderungen, nicht die Formulare

Ein Nebenerwerbsgründer plant anders. Das Vorhaben startet neben einem laufenden Einkommen, der Kapitalbedarf ist kleiner, das Risiko trägt zunächst der Feierabend. Was sich dadurch jedoch nicht ändert, sind die Unterlagen: Umsatz- und Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplan, Kapitalbedarfsrechnung. Diese Bestandteile verlangen Banken und Förderinstitute unabhängig davon, ob jemand vierzig Stunden oder acht Stunden pro Woche in das Vorhaben steckt.

Ein Missverhältnis entsteht: Der Aufwand für den Finanzteil bleibt konstant, während die verfügbare Zeit sinkt und der Kapitalbedarf schrumpft. Wer 15.000 Euro Startkapital braucht, rechnet dieselben Tabellen wie jemand mit 150.000 Euro.

„Der Engpass ist nicht die Geschäftsidee, sondern die Übersetzung in Zahlen. Wer abends um elf noch eine Liquiditätsvorschau bauen muss, bricht ab — nicht weil das Vorhaben schwach wäre, sondern weil die Form im Weg steht“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Junge Gründende, digitale Vorhaben, andere Kostenstruktur

Das Durchschnittsalter von 34,2 Jahren und der Anteil von 40 Prozent unter 30 Jahren verweisen auf eine Gruppe, die Software gewohnt ist und Papierprozesse als Bruch erlebt. Der digitale Schwerpunkt bei 44 Prozent der Vorhaben verschiebt zugleich die Struktur der Ausgaben: weniger Anlagevermögen, dafür laufende Kosten für Reichweite, Werkzeuge und Infrastruktur. Beides zusammen erklärt, warum die Nachfrage nach geführten Planungswerkzeugen wächst.

Was Gründende jetzt vorbereiten sollten

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau legt den Gründungsmonitor jährlich vor. Die nächste Ausgabe wird zeigen, ob der Zuwachs von rund 18 Prozent Bestand hat — die Erhebung misst dabei den Gründungsbeginn und nicht, wie viele Vorhaben nach einem Jahr noch bestehen.

Unabhängig davon bleibt der Finanzteil das Nadelöhr. Wer im Nebenerwerb startet, sollte Umsatz- und Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplan und Kapitalbedarfsrechnung fertig haben, bevor das erste Gespräch mit einer Bank ansteht. Diese drei Bestandteile verlangen Kapitalgeber unabhängig von der Höhe des Bedarfs, und sie lassen sich nicht an einem Abend nachholen.

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