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Fachkräfte aus Usbekistan arbeiten im Hochschwarzwald

Fachkräfte aus Usbekistan arbeiten im Hochschwarzwald Posted on 15. Juli 2026

In Baden-Württemberg fehlen derzeit rund 18.000 Fachkräfte im Handwerk. Und rund 20.000 Betriebe stehen in den kommenden Jahren zur Übernahme bereit. Eine Möglichkeit, die offenen Stellen im Handwerk zu besetzen, besteht darin, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Drei Fachkräfte aus Usbekistan arbeiten seit einigen Wochen bei der DEMATTIO Bau GmbH & Co. KG in Eisenbach. Sie sind Teil des bundesweiten Pilotprojekts „Future International Talents (FIT) for German Climate Businesses“, das neue Wege der Fachkräfteeinwanderung speziell für klimarelevante Handwerksberufe vor dem Hintergrund der Energiewende erprobt.

„Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für das Handwerk. Damit unsere Betriebe auch künftig leistungsfähig bleiben, müssen wir alle Potenziale nutzen. Internationale Fachkräfte sind dabei ein wichtiger Baustein. Das Pilotprojekt zeigt, dass dieser Weg funktionieren kann – wenn Betriebe und Fachkräfte professionell begleitet werden“, sagte Handwerkskammerpräsident Christof Burger.

Die Handwerkskammer Freiburg gehört zu den bundesweit neun Pilot-Regionen, in denen das Projekt umgesetzt wird. Gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der Bundesagentur für Arbeit und der sequa gGmbH werden die Möglichkeiten des novellierten Fachkräfteeinwanderungsgesetzes in der Praxis erprobt. Ziel ist es, nachhaltige Rekrutierungsstrukturen für klimarelevante Handwerksberufe aufzubauen und Erfahrungen für eine dauerhafte Fachkräftegewinnung aus dem Ausland zu sammeln.

Die teilnehmenden Fachkräfte aus Kolumbien und Usbekistan verfügen über eine mindestens zweijährige Berufsausbildung, mehrjährige Berufserfahrung und werden bereits im Herkunftsland sprachlich sowie interkulturell auf ihren Einsatz in Deutschland vorbereitet.

Ann Kareen Mertlik, Mitarbeiterin Fachkräftesicherung und Mobilität bei der Handwerkskammer Freiburg, erläuterte die Besonderheiten des Projekts: „FIT begleitet sowohl die Betriebe als auch die Fachkräfte während des gesamten Prozesses – von der Auswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten über die Einreise bis hin zur Integration im Betrieb. So schaffen wir verlässliche Strukturen, die den Einstieg für beide Seiten erleichtern und die Erfolgschancen deutlich erhöhen.“

Nichtsdestotrotz stelle ein solches Projekt für beide Seite eine Herausforderung dar: „Die Projektteilnehmer verlassen ihre Familien und geben ihr bisheriges Leben auf, um in Deutschland zu arbeiten. Sie müssen sich zurechtfinden und an die neue Kultur sowie neue Arbeitsweisen gewöhnen. Auf der anderen Seite stelle der Betrieb Mitarbeiter ein, deren Ausbildung nicht komplett vergleichbar ist mit der dualen Berufsausbildung in Deutschland.“ Auch eine Probearbeit sei nicht möglich.

Die Firma Demattio aus Eisenbach ist der erste Betrieb im Bezirk der Handwerkskammer Freiburg, der sich am FIT-Projekt beteiligt. Er beschäftigt derzeit 29 Mitarbeiter und bietet Hochbau, Stahlbetonbau, Bau mit Fertigteilen, Umbau und Anbau, Altbausanierung, Hof- und Pflasterarbeiten, kleinere Tiefbauarbeiten sowie Fertigkeller an.

Inhaber Volker Demattio betont, dass die Energiewende nicht nur gute Konzepte benötige, sondern auch Menschen, die sie umsetzen: „Ohne ausreichende Fachkräfte können viele Bau- und Sanierungsprojekte, die für die Energiewende wichtig sind, nicht im erforderlichen Umfang umgesetzt werden.“ Seit Mai sind drei Stahlbetonbauer aus Usbekistan im Betrieb beschäftigt. Er sieht die Teilnahme am FIT-Programm als einen wichtigen Beitrag, um qualifizierte Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen. „Die Kollegen aus Usbekistan helfen uns dabei, die hohe Nachfrage im Baugewerbe zu bewältigen.“

Abdumutal Namazov ist einer der drei, die sich erfolgreich für das Programm beworben hatten. Trotz intensiver Vorbereitung müsse er noch viel lernen: „Ausbildung und technischer Standard unterscheiden sich schon sehr.“ Die Fachkräfte aus Usbekistan haben Familien, mit denen sie täglich nach Arbeitsende mittels Videotelefonaten in Kontakt stehen. Rund 6.000 Kilometer liegen zwischen Arbeitsort und der Heimat.

Das Pilotprojekt „Future International Talents (FIT) for German Climate Businesses“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die Handwerkskammer Freiburg begleitet die teilnehmenden Betriebe in ihrer Region während des gesamten Rekrutierungs- und Integrationsprozesses.

Betriebe, die Interesse an ausländischen Fachkräften haben, können sich an Ann Kareen Mertlik von der Handwerkskammer Freiburg wenden: ann-kareen.mertlik@hwk-freiburg.de.

Über Handwerkskammer Freiburg

Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.

Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Be¬ra¬tungs- und Bil¬dungs¬zent¬ren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.

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