Die Einschätzungen der Handwerksbetriebe zur aktuellen und zur kommenden Geschäftslage haben sich im Vergleich zum Vorjahresquartal eingetrübt. Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer, der Geschäftslage und -erwartungen bündelt, büßte im Vergleich zum Vorjahresquartal (+38,4 Punkte) mehr als 60 Prozent ein und bleibt bei +15 Punkten hängen. Auch wenn Südbaden im Vergleich zu den Landeszahlen (+2,5 Punkte) nach wie vor deutlich besser dasteht, stehen die Zeichen keineswegs auf Entspannung: „Die klassischerweise im Frühjahr auftretende Belebungsphase blieb aus“, so Burger. Der sich weiter ziehende Iran-Konflikt sorgte für steigende Preise für Energie und Materialien – zusätzlich zu den bereits bestehenden Problemen wie zurückhaltendem Konsum, niedriger Bautätigkeit, hohen Arbeitskosten und aufwändiger Bürokratie.
Nur noch jeder zweite Betrieb (53 Prozent, Vorjahr: 72 Prozent) bewertet seine aktuelle Geschäftslage als „gut“; 15 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahr: 6 Prozent). Die Auftragslage hat sich verschlechtert: 20 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von gestiegenen Aufträgen, fast jeder dritte Betrieb (31 Prozent) hatte mit gesunkenen Auftragseingängen zu kämpfen. Das wirkt sich auch auf die Auslastung der Betriebe aus: Diese stagniert ebenfalls seit drei Quartalen auf eher niedrigem Niveau.
Bei der Umsatzsituation bietet sich ein ähnliches Bild: Während 20 Prozent der Betriebe einen Umsatzzuwachs vermeldeten, waren 27 Prozent von Umsatzrückgängen betroffen. Besonders belastend ist für viele Betriebe die Preisentwicklung: 78 Prozent der Befragten berichteten über gestiegene Einkaufspreise; nur 41 Prozent der Betriebe konnten ihre Verkaufspreise nach oben anpassen. „Diese Problematik sehen wir seit mehreren Quartalen schon“, so Burger. „Vor diesem Hintergrund ist es als enorme Leistung zu deuten, dass die absolute Mehrheit der Betriebe weiterhin ihre Mitarbeiter halten.“ 79 Prozent der Unternehmen gab an, ihren Personalstand konstant zu halten – 80 Prozent wollen das auch in den nächsten Monaten tun.
„Dennoch: Ewig können unsere Betriebe diese Daumenschrauben nicht aushalten. Auch dem verlässlichsten Handwerker geht irgendwann die Luft aus“, warnt Kammerpräsident Burger. „Rente, Gesundheit: Bei den Lohnebenkosten liefern die Fachleute größtenteils gute Ansätze. Die Koalition muss nun schnell ins Tun kommen – und dabei Handwerk und Mittelstand als die zentralen Träger dieser Reformen immer mitdenken.“ Sie müssten gezielt gestärkt, aber keinesfalls noch weiter zusätzlich belastet werden. „Wer kleine und mittlere Betriebe zusätzlich belastet, schwächt das Fundament unserer Wirtschaft und riskiert Vertrauen in die politische Handlungsfähigkeit.“ Von den kommenden Entscheidungen der Koalition hänge ab, ob das Handwerk seine unverzichtbare Rolle für Versorgung, Transformation und Wohlstand in Deutschland auch künftig erfüllen kann.
„Der Sozialstaat muss finanziell zukunftsfest und generationengerecht aufgestellt werden. Dafür sind grundlegende Reformen und ein fairer Beitrag aller erforderlich.“ Gerade das lohnintensive Handwerk stoße jedoch bei den Lohnzusatzkosten an seine Belastungsgrenze. „Anders als international tätige Konzerne können Handwerksbetriebe und ihre Beschäftigten nicht ausweichen. Deshalb müssen die besonderen Bedingungen kleiner und mittlerer Betriebe bei allen Reformen berücksichtigt werden.“
Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.
Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Beratungs- und Bildungszentren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.
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